Teil eines Werkes 
8. Band (1844)
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„Iſt ſie nicht auch menſchenfreundlich?“ ſagte ein Anderer. „Sie macht, daß die Gläubiger für die Geſundheit ihrer Schuldner ſorgen. Dieſen Morgen hat ein Wucherer, dem ganz er viel an meinem Daſein gelegen iſt, mir alle mög icheanticholeriſchen Specereien gebracht und mich dringend gebeten, ſelbige zu gebrauchen.“

„Und mich,“ rief der Schüler des großen Malers, „mich wollte mein Schneider zwingen, eine Flanellbinde auf dem bloßen Leib zu tragen, weil ich ihm tauſend Thaler ſchuldig bin. Worauf ich ihm erwidert habe: O Schneider! guittire mir, und ich flanelle mich ein, um dir meine Kundſchaft zu erhalten, da dir ſo ſehr viel daran liegt.“

„O Chölera!“ begann Nini Muulin wieder im Kanzelton, „ich trinke auf dein Wohlſein. Du biſt nicht die Verzweif⸗ lung; nein! das Sinnbild der Hoffnung biſt du. Wie viele Gatten, wie viele Gattinnen zählten nur auf eine, ach! ſo ungewiſſe Nummer in der Lotterie der Wittwenſchaft! Da erſcheinſt du, und ſie leben wieder auf. Durch dich, gefällige Plage, ſehen ſie ihre Ausſichten auf Freiheit vertauſendfacht!“

„Und die Erben? Welche Dankbarkeit! Eine Erkältung, eine Kleinigkeit, ein Nichts — und krach! in einer Stunde geht ein Onkel, ein Seitenverwandter in den Zuſtand des verehrten Wohlthäters über.“

„Und die Leute, welche es auf die Stellen Anderer ge⸗ packt haben! Welch nützlichen Gevatter finden ſie an der Cholera!“

„Und wie wahr wird ſie ſo viele Schwüre der Treue machen!“ ſagte gefühlvoll Fräulein Modeſta. „Wie viele

ſchofele Patrone haben einem ſanften ſchwachen Weib ge⸗

ſchworen, es ihr Lebenlang zu lieben, und ſie ließen ſich nicht träumen, die Wichte! daß ſie ihrem Wort ſo treu ſein würden.“

„Meine Herren,“ rief Nini Moulin, „ſintemal wir viel⸗ leicht am Vorabend des Weltendes ſtehen, wie dieſer be⸗ rühmte Maler ſagt, ſo ſchlage ich vor, die verkehrte Welt zu ſpielen. Ich ſchlage vor, daß die Damen uns necken, reizen, plagen, uns Küſſe rauben und ſich alle Freiheiten gegen uns herausnehmen. Beim Licht beſehen ſtirbt man nicht davon, und beim Licht beſehen verlang ich, daß ſie uns beleidigen. Ja, ich erkläre, ich laſſe mich beleidigen, ich

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