Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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ſte meinen Hals umſchlungen und mein Geſicht mit ihren Thränen bedeckt.“

„Das iſt ſonderbar. Welcher Urſache ſoll man dieſe Ver⸗ änderung zuſchreiben?“

„Zuweilen fürcht' ich, ich möchte ihnen nicht genug mei⸗ nen Schmerz über den Tod ihrer Mutter verhehlt haben, und die armen Kinder kränkt es vielleicht, zu ſehen, daß ſie zu meinem Glück nicht genügen. Und doch ſcheinen ſie mei⸗ nen Schmerz nicht nur zu begreifen, ſondern auch zu thei⸗ len. Geſtern noch ſagte mir Blanca: Wie viel glücklicher würden wir Alle ſeyn, wenn unſere Mutter noch bei uns wäre!“

„Theilen ſie Deinen Schmerz, ſo können ſie Dir den⸗ ſelben nicht zum Vorwurf machen. Die Urſache muß in etwas anderem liegen.“

„Das denk ich auch. Aber welches iſt die Urſache? Ver⸗ gebens zerbrech' ich mir darüber den Kopf. Manchmal bild' ich mir ein, ein böſer Geiſt habe ſich zwiſchen mich und meine Kinder geſchlichen. Ich weiß, das iſt ein alberner Gedanke. Aber wenn vernünftige Gründe fehlen, macht man die tollſten Vorausſetzungen.“

„Wer kann ſich zwiſchen Dich und Deine Töchter ſtellen wollen?“

„Niemand; das weiß ich.“

„Ich will Dir was ſagen, Peter. Habe Geduld und beob⸗ achte die Kinder mit väterlicher Sorgfalt. Am Ende wirſt Du ein unſchuldiges Geheimniß entdecken.“

Der Marſchall ſah ſeinen Vater ſcharf an und erwiderte: „Ja. Aber um hinter das Geheimniß zu kommen, darf ich ſie nicht verlaſſen.“

„Warum ſollteſt Du ſie verlaſſen?“ fragte der alte Mann, betroffen über das düſtere Ausſehen ſeines Sohnes. „Biſt Du jetzt nicht für immer bei ihnen und bei mir?“

„Wer weiß!“ antwortete der Marſchall mit einem Seußzer. „Wie?“ fragte der Greis erſtaunt.