Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

— 292 —

vor Scham wie verſteinert daſtehen fah. Die Frechheit des Verräthers fehlte dem Elenden gänzlich. Mit verſtörter Miene rief Hardy: „Marecell! Sie ſind ja ganz blaß! Warum ant⸗ worten Sie denn nicht?“

„Marcell?“ wiederholte Rodin mit der Miene ſchmerzlicher Ueberraſchung. „Sie ſind der Herr von Bleſſac? O, wenn ich das gewußt hätte — —“

„Hören Sie denn dieſen Menſchen nicht, der behauptet, Sie hätten mich ſchändlich verrathen?“ rief Hardy und er⸗ griff die Hand Bleſſacs. Die Hand war eiskalt. Voll Ab⸗ ſcheu fuhr der Fabrikant zurück und ſagte: „Gott! Gott! — Er antwortet nichts — gar nichts!“

„Da ich mich dem Herrn von Bleſſae gegenüber befinde,“ fuhr Rodin fort, „ſo muß ich ihn fragen, ob er es wagt, zu leugnen, daß er verſchiedene Briefe unter der Adreſſe von Herrn Rodin in die Straße Milieu⸗des rſue zu Paris geſchickt hat.“

Bleſſac blieb ſtumm. 8

Hardy wollte noch immer nicht glauben, was er ſah und örte. Mit krampfhafter Haſt riß er den Brief auf und las einige Zeilen darin. Seine ſchmerzliche Ueberraſchung verrieth ſich durch ſeine Ausrufungen. Er brauchte den Brief nicht bis zu Ende zu leſen, um ſich von der abſcheulichen Verri⸗ therei Bleſſac's zu überzeugen. Er taumelte, denn bei dem Blicke in dieſen Abgrund der Niederträchtigkeit ſchwindelte ihm. Der Brief entfiel ſeinen zitternden Händen. Bald aber te dieſer Betäubung Unwille, Zorn und Verachtung. Bleich

d mit grimmiger Gebärde ſtürzte er auf Bleſſac los unter m Ausruf: „Elender Menſch!“

Rodin trat vor, um ſich zwiſchen Beide zu werfen. Hardy

die Hand ſinken, welche er zum Schlagen aufgehoben te, und ſagte mit einer Ruhe, die etwas Unheimliches hatte: Anſtatt einen Schuft zu ohrfeigen, will ich die Hand eines nmannes drücken. Sie haben den Muth gehabt, einen ederträchtigen Verräther zu entlarven.“

„Herr Hardy!“ rief Bleſſac außer ſich vor Scham. „Ich — e zu Befehl — — — „Sein Stammeln ward unter⸗