Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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„Welch ein Unterſchied! Ich habe eine Schuld an Sie, die ich nie werde abtragen können.“

„Ei was! Gibt es bei uns einen Unterſchied von Mein und Dein? Bei Freundſchaftsdienſten iſt doch Leiſten eben ſo angenehm wie Empfangen.“

„O edles Herz!“

„Sagen Sie glückliches Herz. Es ſind ſelige Empfindun⸗ gen, die es hegt.“

„Wer ſollte hienieden Glück verdienen, wenn Sie nicht?“

„Wem verdank' ich es? Den Gefühlen, die ich hier ge⸗ funden habe, und die mich aufrecht hielten, als ich, der Stütze meiner Mutter beraubt, in meiner Schwachheit mich faſt un⸗ fühig fühlte, das Mißgeſchick zu ertragen.“

„Sie nennen ſich ſchwach? Und doch habe ich Sie ſo ent⸗ ſchloſſen und ausdauernd geſehen in Vollbringung eines guten Werks! Ich habe Sie mit Muth und Kraft kämpfen ſehen, um den Sieg der Billigkeit zu erringen.“ .

„Aber je weiter ich in meiner Laufbahn komme, deſto größeren Widerwillen flößen mir häßliche und ſchimpfliche Dinge ein, und deſto weniger Kraft fühle ich, ihnen zu trotzen.“ „Im Nothfall würden Sie mehr Muth haben, als ich.“ Lieber Marcell,“ erwiderte Hardy mit ſanfter Rührung,

„ich habe Ihnen oft geſagt, mein Muth war meine Mutter. Sehn Sie, wenn ich zu ihr kam mit einem durch ſchändlichen Undank zerriſſenen oder durch eine ſchmutzige Schurkerei en pörten Herzen, und ſie nahm meine Hände in die ihrigen un ſprach Liebes Kind, ein zerriſſenes Herz gebührt den Ur dankbaren und Schurken; wir wollen ſie beklagen, wollen das Böſe vergeſſen und nur an das Gute denken — dann, Freund, ging mein gepreßtes Herz wieder auf. Und jeden Tag fand ich bei ihr die nöthige Kraft, um von neuem den harten Kampf wider die traurigen Nothwendigkeiten meiner Lage zu beſtehen. Glücklicher Weiſe hat Gott es gefügt, daß ich nach dem Verluſt dieſer geliebten Mutter mein Leben