— 264 —
Die Kochanſtalt des Hauſes nahm einen großen Raum ein. Alle Geräthe waren ſo ſauber gehalten, daß ſie blink⸗ ten. Die neueren Erfindungen, welche für die Armen vom größten Nutzen ſeyn würden, leider aber nicht von ihnen be⸗ nutzt werden können, weil ſte in einem großen Maßſtab angewandt werden müſſen, dieſe Erfindungen machten es hier möglich, den Heerd und die Oefen mit der Hälfte des Brenn⸗ ſtoffes zu heitzen, den die Gäſte des Gemeinſchaftshauſes, in einzelne Haushaltungen geſondert, gebraucht haben würden. Und dabei blieb noch ſo viel Hitze übrig, daß dieſelbe in Röhren weiter geleitet, in allen Zimmern des Gemeinſchafts⸗ hauſes eine gleichmäßige Wärme verbreitete.
Auch hier leiſteten Kinder unter Anleitung von zwei Haus⸗ hälterinnen vielfache Dienſte. Nichts war komiſcher, als der Ernſt, mit welchem ſie ihre Küchengeſchäfte verrichteten. Nicht minder weſentlich war ihre Hülfe in der Bäckerei, wo aus dem im Großen angekauften Mehl ein treffliches Haushal⸗ tungsbrod gebacken wurde. Dieß Brod, aus reinem Waizen und aus Roggen gemiſcht, war weit geſünder und nahrhafter, als das Stadtbrod, welches ſeine Weiße und Leichtigkeit oft durch Beimiſchung ſchädlicher Stoffe erhält.
„Guten Tag, Frau Bertrand!“ ſagte Agricola zu einer ehrbaren Frau, die ernſthaft die langſamen Bewegungen mehrer Bratſpieße beobachtete. Beſagte Bratſpieße würden der Hochzeit des Gamacho im Don Quirote keine Schande gemacht haben, denn ſie waren mit mächtigen Stücken Rind⸗, Kalb⸗ und Hammelfleiſch beladen, welche eine höchſt einla⸗ dende goldbraune Farbe zu gewinnen anfingen.
Der junge Mann blieb in der Thür ſtehen und fuhr fort: „Der Hausordnung gemäß überſchreit' ich nicht die Schwelle der Küche. Ich will ſie bloß von dieſer Jungfer bewundern laſſen, welche kürzlich angekommen 4
„Bewundern Sie nach Herzensluſt,“ erwiderte die Köchin. „Und vornehmlich ſehen Sie, wie das Küchengeſindlein geſchickt und eiis iſt.“ Dabei deutete ſie mit ihrem großem Fett⸗ löffel auf ein Dutzend Knaben und Mädchen, die um einen
42 *


