— 262 —
„Gewiß gibt es in der Welt keinen Menſchen, der ein beſſeres Herz hat, als Herr Hardy. Er thut das Gute um des Guten willen ohne Eigennutz. Denken Sie ſich aber, er wäre der eigennützigſte, habſüchtigſte Menſch, ſo würde
er immer noch den größten Vortheil dabei finden, daß er uns
in Stand ſetzt, ſo glücklich zu ſeyn, wie wir ſind.“
„Iſt's möglich? Aber Sie ſagen es, und ich muß es glau⸗ ben. Indeß, wenn es ſo leicht und ſo vortheilhaft iſt, Gu⸗ tes zu thun, warum geſchieht es nicht häufiger?“
„Es gehören dazu drei Stücke, welche ſich ſelten bei dem⸗ ſelben Menſchen finden: Wiſſen, Können, Wollen.“
„Leider ja! Die, welche wiſſen, können nicht.“ „Und Die, welche können, wiſſen oder wollen nicht.“
„Aber wie kann Herr Hardy ſo viel Vortheil finden bei dem Glück, welches er ſeine Leute genießen läßt?“
„Das will ich Ihnen bald erklärt haben.“
„Ach! wie riecht es hier ſo gut nach Oöſt!“ rief plötzlich Angela.
„Der Geruch kommt aus der nahen Obſtkammer. Treten Sie mit mir hinein. Ich denke, wir werden darin einige
on den kleinen Vögeln aus dem Schlafſaal beſchäftigt finden.
nicht zu naſchen, ſondern zu arbeiten.“ Agricola öffnete eine Thür und führte Angela in einen
großen Saal mit Bänkein ringsum, auf welchen Winterobſt
in ſchönſter Ordnung aufgeſpeichert war. Eine Anzahl gut und warm gekleidete Kinder in blühender Geſundheit waren heiteren Sinnes beſchäftigt, unter Anleitung einer Frau die ſchadhaften Früchte auszuleſen.
„Sie ſehen,“ ſagte Agricola, „überall ſuchen wir die Kin⸗ der nach Möglichkeit nützlich zu verwenden. Dieſe Beſchäfti⸗ gungen ſind für ſie ein Vergnügen. Sie entſprechen ihrem kindlichen Bedürfniß nach Thätigkeit, und indem man das zu


