Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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„Man tödtet es, wie bei uns. Die Ertappte iſt des Todes.“ 3

„Wenn aber die Civiliſirten Despoten ſind wie wir, warum fperren ſie ihre Weiber nicht ein wie wir, um ſie zu einer Treue zu zwingen, die ſie ſelbſt nicht bewahren?“

„Weil ſie civiliſirt ſind wie Barbaren, und Barbaren wie Civiliſirte

„Das i ſt traurig, wenn Du wahr ſprichſt,“ erwiderte Dſchalma mit nachdenklicher Miene. — „Ja, Sklave, das, was du mir ſagſt, betrübt mich. Zwei Tropfen himmliſchen Thaues, die in einem Blumenkelch in einander fließen, ſind zwei Herzen, die ſich in reiner jungfräulicher Liebe verſchmelzen, — zwei Feuerſtrahlen, zu einer unauslöſchlichen Flamme vereint, ſind die Seligkeiten zweier Liebenden, die zu Gatten werden.“

Dſchalma war bezaubernd, lindem er von der reinen Luſt des Herzens ſprach. Als er ſich ein minder ideales Glück auszumalen begann, funkelten ſeine Augen, er erbebte, ſeine Naslächer dehnten ſich aus, die blaſſe Goldfarbe ſeiner Haut ging in Roth über, und er verſank wieder in tiefe Träu⸗ merei. Faringhea bemerkte dieſen Wechſel und nahm von neuem das Wort. „Und wenn Sie nun wie der ſtolze Königs⸗ vogel“) unſeres Heimathlandes, wie der Sultan unſerer Wälder, der auf einen einzigen Gegenſtand beſchränkten Liebe wechſelnde und mannichfaltige Luſt vorzögen? Wenn Sie ſchön, jung und reich, wie Sie ſind, dieſe verführeriſchen Pa riſerinnen aufſuchten, dieſe wollüſtigen Traumbilder Ihrer Nächte, dieſe reizenden Quälgeiſter Ihrer Träume? Wenn Sie auf dieſelben kühn herausfordernde Blicke würfen, oder Blicke flehend wie im Gebet, oder glühend wie die Begierde, glau⸗ ben Sie, es würden nicht viele halb niedergeſchlagene Blicke ſich am Feuer Ihrer Augen entzünden? Und dann wären es nicht mehr die einförmigen Genüſſe einer einzigen Liebe, die wie eine ſchwere Kette auf unſerem Leben laſtet, dann wären es die tauſend Vergnügen des Harems, und zwar eines

*) Eine Art Paradiesvogel, ſehr verliebter Natur.