Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

glückliche ſeinen Thränen freien Lauf gelaſſen, erhob er ſein männliches Geſicht, welches jetzt marmorblaß war, fuhr mit der Hand über die verweinten Augen, ſtand auf und ſagte zu Adriana: „Verzeihen Sie, Fräulein. Ich habe mein Ge⸗ fühl nicht bemeiſtern können. — — Erlauben Sie, daß ich mich entferne. Ich habe ſchmerzliche Kunde einzuziehen von dem wackeren Freund, welcher meine Frau bis zu ihrer Todes⸗ ſtunde nicht verlaſſen hat. — — Haben Sie die Güte, mich zu meinen Kindern, zu meinen armen Waiſen führen zu laſſen!“

„Herr Marſchall,“ erwiderte Adriana, „vorhin noch hatten wir Ihre Kinder erwartet. Leider iſt unſere Hoffnung ge⸗ täuſcht worden.“

Peter Simon ſah das Fräulein an, als ob er nicht gehört oder nicht verſtanden hätte, was ſie ſagte.

„Indeß beruhigen Sie ſich,“ fuhr Adriana fort; „wir dür⸗ fen noch nich: verzweifeln.“

„Verzweifeln?“ wiederholte der Marſchall. „Verzweifeln? Woran denn?“

„Ihre Kinder wiederzufinden. Ihre Anweſenheit, die An⸗ weſenheit des Vaters wird den Nachforſchungen größeren Nachdruck geben.“

„Den Nachforſchungen?“ wiederholte Simon. „Sind denn meine Kinder nicht hier?“

„Nein, Herr Marſchall,“ antwortete Adriana. „Dieſer wackere Mann hatte ſie aus Sibirien hierher gebracht, und man hat ſie ihm entführt und in ein Kloſter gebracht.“

„Unglücksmenſch!“ rief der Marſchall, mit drohender Ge⸗ bärde auf Dagobert zugehend. „Du ſollſt mir für Alles einſtehen!“ .

„Herr! machen Sie ihm keinen Vorwurf!“ rief Adriana.

„Herr General,“ ſagte Dagobert mit feſter Stimme und mit dem Ausdruck ſchmerzlicher Ergebung, „ich verdiene Ihren Zorn. Genöthigt von Paris abzureiſen, habe ich die Kinder meiner Frau anvertraut. Meine Frau hat ſich von ihrem