Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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von der langen Reiſe ein wenig angegriffen, allein ihr Zu⸗

ſtand iſt nicht Beſorgniß erregend.

„Alſo meine Frau! Meine Frau iſt in Gefahr!“

„Faſſen Sie Muth,“ ſagte das Fräulein traurig. „Leider müſſen Sie Ihren Troſt ſuchen in der Liebe der zwei Engel, die Ihnen bleiben.“

„Herr General,“ ſagte Dagobert mit feſter Stimme, „ich komme aus Sibirien — — allein mit Ihren Töchtern.“

„Und ihre Mutter? ihre Mutter?“ rief der Marſchall.

„An dem Tag nach ihrem Tod habe ich mich mit den

beiden Waiſen auf den Weg gemacht.“

„Todt! todt!“ rieſ Simon. Er ſchwankte, hielt ſich an der Lehne eines Stuhls und ſank auf denſelben, ſein Geſicht in den Händen verbergend.

Einige Minuten lang hörte man nur erſticktes Schluchzen. Peter Simon liebte ſeine Frau leidenſchaftlich aus den Grün⸗ den, welche wir aus dem Anfang dieſer Erzählung wiſſen. Wie alle weichen Herzen war er Fataliſt und glaubte mit dem Schickſal abgerechnet zu haben und für ſo viele Jahre harter Prüfungen endlich auf Glück zählen zu dürfen. Er hatte keinen Augenblick daran gezweifelt, daß er Weib und Kind wieder finden würde, als einen zwiefachen Troſt, den ihm nach ſo großen Widerwärtigkeiten das Schickſal ſchuldig wäre. J Gegenſatz zu den vielen Menſchen, welche die Ge⸗ wöhnung an Unglück genügſamer macht, hatte er auf ein Glück gerechnet, welches eben ſo groß wäre, wie ſein Miß⸗ geſchick. Sein Weib und ſein Kind, dieß waren die uner⸗ läßlichen Bedingungen des zufriedenen Lebens, auf welches er rechnete. Seine Frau würde ihm, wenn ſie ſeine Töchter

überlebt hätte, dieſe nicht haben erſetzen können; und ſeine

Kinder konnten ihm ihre Mutter nicht erſetzen. Man mag das Schwäche oder Unerſättlichkeit nennen; aber es war ein— mal ſo. Der hieraus für den M karſchall erwachſende Kum- mer wird einen großen Einfluß auf ſeine Zukunft ausüben. Adriana und Dagobert beobachteten bei dem Schmerz des Marſchalls ein ehrfurchtsvolles Schweigen Nachdem der Un⸗