Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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„Das iſt ja entſetzlich!“ rief Adriana von einem unheim⸗ lichen Gefühl überwältigt. „Gibt es denn keine Waffen wider ſolche Angriffe?“

„Behutſamkeit, werthes Fräulein, die aufmerkſamſte Zurück⸗ haltung, das größte Mißtrauen und die ſchärfſte Beobachtung alles deſſen, was Ihnen nahe kommt.“

„Aber ein ſolches Leben wäre ja entſetzlich! Das wäre ja eine lebenslängliche Folter, ſo von ſtetem Argwohn, Zweifel und Angſt gedrückt zu ſeyn!“

„Freilich! Die Elenden wiſſen das wohl. Eben darauf be⸗ ruht ihre Stärke. Oft triumphiren ſie gerade durch das Uebermaß von Vorſichtsmaßregeln, die man gegen ſie ergreift. Alſo, werthes Fräulein, und Sie, wackerer Krieger, bei Allem, was Ihnen theuer iſt, ſeyn Sie mißtrauiſch und ſchenken Sie nicht leichtſinnig Ihr Vertrauen. Seyn Sie auf Ihrer Hut. Wenig hätte gefehlt, ſo wären Sie die Opfer dieſer Men⸗ ſchen geworden. Sie werden dieſelben ſtets zu unverſöhn⸗ lichen Feinden haben. Und auch Sie, armes Kind,“ ſagte er zur Mayenx, „folgen auch Sie meinem Rath. Fürchten Sie jene Menſchen und ſchläfen Sie nur mit einem Auge, wie das Sprichwort ſagt.“

„Ich?“ fragte die Mayeur. „Was hab' ich gethan? Was hab' ich zu fürchten?“

„Was Sie gethan haben? Ei du mein Gott! Lieben Sie nicht zärtlich dieß Fräulein, Ihre Beſchützerin? Haben Sie nicht den Verſuch gemacht, ihr zu helfen? Sind Sie nicht die Adoptivſchweſter des braven Agricola, des Sohnes dieſes unerſchrockenen Soldaten? Armes Kind? Sind das nicht Anſprüche genug auf ihren Haß, trotzdem daß Sie eine ge⸗ ringe Perſon ſind? — Werthes Fräulein, glauben Sie nicht, daß ich übertreibe. Denken Sie nach, denken Sie nach! Er⸗ wägen Sie, was ich vorhin dem wackeren Waffengefährten des Marſchalls Simon geſagt habe in Betreff ſeiner Ver⸗ haftung zu Leipzig. Erwägen Sie, was Ihnen ſelber be⸗ gegnet iſt, wie man ſich unterſtanden hat, Sie dem Geſetz und dem Recht zum Hohn hierher zu führen. Und dann wird Ihnen klar werden, daß meine Schilderung von der

„

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