Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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ter uns geſagt — Sie haben mich gleich bei Ihrem Ein⸗ treten ſo vertraulich begrüßt, daß ich keine Zeit hatte — —“

„Werther Herr,“ ſagte Dagobert beſchämt, „ſeyn Sie ver⸗ ſichert, ich bereue bitter, was ich gethan habe.“

„Ich weiß es, lieber Mann. Sprechen wir nicht weiter davon. Alſo wirklich war Ihnen ſehr viel an dem Kreuze gelegen?“

„Ob mir daran gelegen war!“ rief Dagobert. „Dieß Kreuz“ (er küßte es) „dieß Kreuz iſt meine aparte Reliquie. Der, von welchem ich es habe, war mein Heiliger, mein Gott, und er hatte es berührt!“

„Wie?“ rief Rodin, und that, als betrachte er das Kreuz mit eben ſo viel Neugier als ehrfurchtsvoller Bewunderung. „Wie? Napoleon, der große Napoleon hatte mit ſeiner eignen Hand, mit ſeiner ſiegreichen Hand, dieſen glanzvollen Stern der Ehre berührt?“

„Ja, werther Herr, mit ſeiner Hand. Er hat es hier be⸗ feſtigt, auf meiner blutenden Bruſt als Verband für meine fünfte Wunde. Sehn Sie, ich glaube, wenn ich im Fall geweſen wäre, Hungers zu erepiren, und wenn man mir die Wahl gelaſſen hätte zwiſchen Brod und meinem Kreuz, ich hütte das Kreuz genommen, um es im Sterben auf der Biſt zu haben. — — Aber genug — genug davon! Laſſen Sie uns von etwas Anderm ſprechen. — — So ein alter Soldat iſt doch ein rechter Schafskopf, nicht wahr?“ Er fuhr mit der Hand über die Augen und ſagte dann wei⸗ ter, als ſchämte er ſich, ſeine Gefühle zu verleugnen, während eine Thräne über ſeine Wange rann; „Nun ja! ich weine vor Freude, daß ich mein Kreuz wiedergefunden habe — mein Kreuz, welches der Kaiſer mir gegeben hat — mit ſeiner ſiegreichen Hand, wie dieſer brave Mann ſagt.“

„Geſegnet ſey darum meine ſchwache alte Hand, daß ſie Ihnen dieſen ruhmvollen Schatz wiedergegeben hat,“ ſagte Rodin im Ton der Rührung. — „Nun, wahrhaftig, der Tag wird gut werden für Alle. Ich habe es Ihnen dieſen Morgen in meinem Brief angekündigt.