Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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„Zu übereilt? Fräulein, nicht erſt ſeit heute kenſ ich ihn.

Ich habe ihn mit dem Renegaten Aigrigny zuſammen ge⸗ ſehen.“

„Das glaub ich gerne; aber das hindert ihn nicht, ein ehrlicher, vortrefflicher Mann zu ſeyn.“

„Er?“ rief Dagobert.

„Allerdings. Und in dieſem Augenblick iſt er mit nichts Anderem beſchäftigt, als Ihnen Ihre lieben Kinder wieder zu verſchaffen.“

„Er?“ wiederholte Dagobert und ſah das Fräulein an, als traute er ſeinen Ohren nicht. „Er ſoll mir meine Kin⸗ der wieder geben?“

„Ja, wie ſehr Sie auch daran zweifeln mögen.“

„Fräulein,“ erwiderte nach einigem Beſinnen Dagobert, f hintergehr Sie. Dieſer alte Schuft führt Sie hinters Licht. .

„Nein,“ ſagte Adriana, indem ſie lächelnd den Kopf ſchüttelte. „Ich habe Beweiſe ſeiner Aufrichtigkeit. Erſtlich iſt er es, der mir den Austritt aus dieſem Hauſe verſchafft.“

„Iſt das wirklich wahr?“ fragte Dagobert beſchämt.

„Sehr wahr. Ferner iſt hier etwas, was Sie vielleicht mit ihm ausſöhnen wird.“ So ſprechend überreichte Adriana dem alten Soldaten das Pickchen, welches Rodin vor einigen Augenblicken, ehe er wegging, ihr gegeben hatte. „Er hat Sie micht länger durch ſeine Anweſenheit reizen wollen und mir dieß eingehändigt mit den Worten: „Geben Sie das dem braven Soldaten; das ſoll meine Rache ſeyn.“

Dagobert ſah das Fräulein betroffen an, während er maſchie⸗ nenmäßig das Päckchen aufmachte. Als es geöffnet war, warf er einen Blick hinein. Er erkannte ſein Kreuz von ſchwarz gewordenem Silber mit dem verſchoſſenen rothen Band, welches man ihm in der Herberge zu Weißen Fal⸗ ken ſammt ſeinen Papieren geſtohlen hatte. Mit klopfendem Herzen ſtammelte er: „Mein Kreuz! — mein Kreuz! —

Das iſt mein Kreuz!“ Und im Uebermaß der Freude vrückte er das ſilberne Sternchen an ſeinen grauen Schnurrbart.

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