—
Herr Baudoin, der ſich gewöhnlich Dagobert nennen läßt, einen Brief erhalten, in welchem ſtand, er möchte ſich hieher begeben; hier würde er gute Nachricht erhalten über das, was ihm am meiſten am Herzen läge. In der Meinung, daß darunter die Fräulein Simon verſtanden ſeyen, ſagte er zu mir: „Mayeur, Sie haben ſo großen Antheil an dieſen lieben Kindern genommen, daß Sie mit mir kommen müſſen. Sie ſollen meine Freude ſehen, wenn ich die Kinder wieder⸗ finde; das ſoll Ihr Lohn ſeyn.“
Adriana blickte ihren Befreier an. Rodin nickte und ſagte: „Ja, werthes Fräulein. Ich habe an dieſen braven Sol⸗ daten geſchrieben, aber ohne meinen Namen zu unterzeich⸗ nen und ohne mich näher zu erklären. Warum, das ſollen Sie ſpäter erfahren.“
„Wie kommt es nun, daß Sie allein hier erſcheinen?“ fragte Adriana das Mädchen.
„Ach!“ antwortete die Nätherin, „Ihr Empfang hat mich ſo ergriffen, daß ich gar nicht dazu kommen konnte, Ihnen meine Noth zu klagen.“
„Welche Noth?“ fragte Rodin.
„Da ich wußte, daß Sie hier ſind, Fräulein, ſo dachte ich, Sie hätten dieſen Brief dem Herrn Baudoin zukommen laſſen. Ich ſagte es ihm, und er war gleichfalls dieſer Meinung. Wir kamen hieher, und ſeine Ungeduld war ſo groß, daß er gleich an der Thüre fragte, ob die Waiſen hier wären. Er beſchrieb ſie, und man antwortete ihm: Nein. Und nun „ half kein Bitten von meiner Seite. Er lief nach dem Klo⸗ ſter, um ſie zu erfragen.“
„Welche Unbeſonnenheit!“ rief Adriana.
„Nach dem was vorgeſtern Nacht geſchehen iſt!“ fügte Rodin achſelzuckend hinzu.
„Vergebens,“ fuhr die Mayeur fort, „vergebens habe ich
4.
————— — „
ihn aufmerkſam darauf gemacht, daß der Brief keineswegs beſagte, man würde ihm die Waiſen zurückgeben, ſondern nur anzudeuten ſchiene, man würde ihm Auskunft über ſie ertheilen. Er wollte mich nicht anhören und ſagte: Wenn 1


