Teil eines Werkes 
6. Band (1844)
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habe ja noch nichts für Sie gethan. Aber Gott ſey Dank! von heut an werd' ich mein Verſprechen erfüllen können und im Stande ſeyn, Ihre Hingebung für mich zu belohnen, Ihre muthige Selbſtverleugnung, Ihre Liebe zur Arbeit und Ihre ehrenhafte Geſinnung, von welcher Sie unter den größ⸗ ten Kümmerniſſen ſo viele Beweiſe abgelegt haben. Mit einem Wort: von heut an werden wir uns nicht mehr tren⸗ nen, wofern Sie es zufrieden ſind.“

„Fräulein, das iſt zu viel Güte!“ erwiderte die Mayeur mit bebender Stimme. „Aber ich — —“

„Beruhigen Sie ſich,“ unterbrach Adriana, die errieth, was ſte ſagen wollte. „Wenn Sie meinen Vorſchlag annehmen, werde ich den etwas egoiſtiſchen Wunſch, Sie in meiner Nähe zu ſehen, zu vereinigen niſer et Unabhängigkeit Ihres Sinnes, mit Ihrer Gewohnheit zu arbeiten, mit Ihrer Vor⸗ liebe für Zurückgezogenheit und mit Ihrem Bedürfniß, ſich alles deſſen anzunehmen, was Mitleid verdient. Ich ver⸗ hehle es nicht: beſonders dadurch, daß ich Ihnen die Mittel gebe, dieß edelmüthigen Beſtreben zu bethätigen, hoff ich, Sie zu verführen, daß Sie bei mir Shren Wohnſitz auf⸗ ſchlagen.“

„Was hab' ich denn gethan, Fräulein,“ fragte die Mayeur unbefangen, „um ſo viel Dank bei Ihnen zu verdienen? Haben Sie nicht vielmehr zuerſt ſich edelmüthig gezeigt gegen mei⸗ nen Adoptivbruder?“

„Ich ſpreche Ihnen ja nicht von Dank,“ erwiderte Adriana. „Wir ſind quitt. Ich ſpreche Ihnen von Zuneigung, von aufrichtiger Freundſchaft, die ich Ihnen anbiete.“

„Von Freundſchaft? — gegen mich? Fräulein?

„Ei, ei!“ rief Adriana mit lieblichem Lächeln, „ſpielen Sie nicht die Hochmüthige, weil Sie im Vortheil ſind. Ich habe mir einmal in den Kopf geſetzt, daß Sie meine Freun⸗ din ſeyn ſollen, und Sie werden ſehen, das geſchieht. — Doch — jetzt erſt fällt mir ein, welch' guter Geiſt führt Sie denn hieher?“ „Dieſen Morgen,“ antwortete die Mayeur, „hat der ältere