Pfeil noch tiefer ins Herz der Unglücklichen dringen zu laſſen und fuhr dann fort: „Sehn Sie nur, wie das gute Kind verwirrt iſt!“
Der Jeſuit ſchwieg abermals. Er ſah, wie die Purpur⸗ röthe der Mayeur ſich in Leichenbläſſe verwandelte und wie ſie an allen Gliedern zitterte. Er glaubte zu weit gegangen zu ſeyn, als Adriana theilnehmend fragte: „Ei, liebes Kind, warum gerathen Sie denn ſo in Verwirrung?“
„Das iſt ganz einfach,“ antwortete Rodin für die Gefragte. Er wußte, was er zu wiſſen wünſchte, und wollte das Anſehn haben, als merke er nichts. „Das iſt ganz einfach. Das liebe Kind hat die Beſcheidenheit einer guten, zärtlichen Schweſter für ihren Bruder. Sie liebt ihn ſo ſehr, ſie denkt ſich ſo ganz als Eins mit ihm, daß, wenn er gelobt wird, es ihr vorkommt, als würde ſie ſelber gelobt.“
„Und,“ fügte Adriana hinzu, die Hände der Mayeur er⸗ greifend, „das geringſte Lob, ſey es für ſie, ſey es für ihren Adoptivbruder, bringt ſie ſo in Verwirrung, wie wir jetzt ſehen. Das iſt eine wahre Kinderei, für welche ich ſtie tüchtig ausſchelten will.“
Das Fräulein von Cardoville meinte es ganz ernſt mit der Zuſtimmung zu der Erklärung Rodins, die ſo ganz na⸗ türlich ſchien.
Alle Menſchen, welche ſtets in Angſt ſchweben, ihr ſchmerz⸗ volles Geheimniß möchte entdeckt werden, beruhi en ſich eben ſo ſchnell, wie ſie erſchrecken. Die Mayeur überredete ſich — und ſie mußte es, um nicht vor Scham zu ſterben, — daß die letzten Worte Rodins aufrichtig gemeint ſeyen, und daß er ihre geheime Liebe zu Agricvla nicht ahnte. Ihre Angſt
ließ nach und ſie fand einige Worte der Erwiderung an das Fräulein von Cardoville.
„Entſchuldigen Sie mich, Fräulein,“ ſagte ſie ſchüchtern. „Ich bin ſo wenig an ein Wohlwollen gewöhnt, wie das, womit Sie mich überhäufen, daß mein Benehmen Ihrer Güte gegen mich wenig entſpricht.“
„Meiner Güte?“ entgegnete Adriana. „Armes Kind! ich
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