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„O, das iſt ſchändlich!“ rief Adriana mit Abſcheu. Einen ſolchen Vorſchlag dem armen Kind zu machen — — ihr!“ „Fräulein,“ ſagte mit Schmerz die Mayeur. „Ich hatte
keine Arbeit. Ich bin arm. Man kannte mich nicht. Man
glaubte, mir Alles zumuthen zu können.“
„Und ich,“ fuhr Rodin fort, „ich behaupte, es war doppelt ſchändlich von der Oberin, die Armuth in Verſuchung zu führen, und es iſt doppelt ſchön von Ihnen, daß Sie die Zu⸗ muthung zurückgewieſen haben.“
„Werther Herr — — —“ ſagte die Mayeur verlegen.
„O! o! ich laſſe mich nicht einſchüchtern,“ erwiderte Ro⸗
din. „Ich ſage rund weg, was ich auf dem Herzen habe, Lob oder Tadel. Fragen Sie das Fräulein.“ Hier blickte er auf Adrianen. „Ich ſage Ihnen laut, daß ich eben ſo gut von Ihnen denke, wie das Fräulein von Cardoville.“ lauben Sie mir, liebes Kind,“ nahm Adriana das es gibt Lobſprüche, die ehren, belohnen und ermu— zu ſolchen gehören die Lobſprüche des Herrn Rodin. n es; ja, ich weiß es!“ „uebrigens, “ bemerkte der Jeſuit, „müſſen Sie, werthes Fräulein, nicht die ganze Ehre dieſes Urtheils mir zuer⸗ kennen.“ „Wie ſo?“ fragte Adriana. „Iſt dieß Mädchen nicht die Adoptivſchweſter von Agricola Baudoin, dem wackeren Arbeiter, dem kräftigen Volksdichter? Und iſt nicht die Zuneigung eines ſolchen Mannes die beßte Bürgſchaft, welche erlaubt, ſo zu ſagen, auf die Etikette hin zu urtheilen?“ erwiderte Rodin lächelnd.
„Sie haben Recht,“ ſagte Adriana. „Ohne dieß liebe Kind zu kennen, habe ich ſchon angefangen, lebhaften Antheil an ihrem Schickſal zu nehmen, von dem Tag an, wo ihr Adoptivbruder mir von ihr geſprochen hat Er drückte ſich mit ſolcher Wärme und Entſchiedenheit aus, daß ich ſogleich das Mädchen achten mußte, welches fähig war, eine ſo edle Zu⸗ neigung einzuflößen.
Dieſe Worte Adrianens brachten die Mayeur ſo in Ver⸗


