Teil eines Werkes 
1. Bandes 2. Theil (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— —

Seipio's. legte er ſich in Euerm beiderſeitigen Intereſſe ſelbſt auf.“

„O, meine Mutter,“ antwortete Raphaele niederge⸗ ſchlagen, „bei dem Anblicke des armen kleinen Kindes, das doch das ſeine war, blieb Scipio's Blick trocken und hoch⸗ muthig... Das erſchreckt mich.... Das läßt mich an ſeinem Herzen zweifeln, und doch fuͤhle ich, daß ich ihn immer noch liebe, ihn, der jetzt der alleinige Herr meines Gluͤcks wie meines Herzens iſt. O! der Gedanke iſt graͤß⸗ lich.. Wenn er jetzt ſein Wort nicht hielte. wenn Ver⸗ achtung.. Verlaſſen ..

„Fuͤr Dich? Verachtung... Verlaſſen... dann muͤßte ich ſelbſt ja todt ſein!“ rief Miſtreß Wilſon mit unglaub⸗ licher Kraft. „O nein, nein, ſei ruhig, mein Kind. Scipio wird ſein Verſprechen halten .. er wird es halten, weil er Dich liebt.. er wird es halten, weil er es halten muß.. weil es keine ernſtliche Macht giebt, die ſich jetzt dieſer Hei⸗ rath widerſetzen koͤnnte.“

„Ach, meine Mutter, wenn Du die Unbeugſamkeit von Scipio's Character kennteſt!... O, wenn er mich nicht liebt, wird ihn nichts davon abhalten mich zu verlaſ⸗ ſen,“ fluͤſterte das junge Maͤdchen mit ſchmerzlicher Ab⸗ ſtannung. Raphaelens Beaͤngſtigungen, die ſteigende Verſtörung ihrer Zuge zerriſſen ihrer Mutter Herz. Dieſe kannte die außerordentliche Reizbarkeit ihrer Tochter, welche dieſe Liebe ſchon faſt getödtet hatte. Immer mehr und mehr uͤber die

8*