— 113 —
ihren ſeltnen Eigenſchaften, um nicht von ihnen einen un⸗ widerſtehlichen Einfluß zu erwarten und zu glauben, daß Scipio eine wahre Liebe unter dem Anſcheine berechneter Kälte verberge. Ueberdies liebte ja auch Raphaele bis zum Sterben, ihre Mutter mußte alſo um jeden Preis die Be⸗ ſorgniſſe der Tochter beruhigen und ihr uͤber die Zukunft einer Liebe, die ihr ganzes Leben ausmachte, Sicherheit einfloͤßen.
Dieſes war die Linie des Benehmens von Miſtreß Wilſon in Bezug auf ihre Tochter bis zu dem Augenblicke geweſen, wo dieſe ihr ein ſo ſchmerzliches Geſtaͤndniß ge⸗ macht hatte, ein Geſtaͤndniß, das durch nachfolgende Mit⸗ theilungen vervollſtaͤndigt wurde.
Einige Tage ehe Raphaele mit ihrer Mutter von Pa⸗ ris nach der Sologne abgereiſt war, hatte ſie, einen Augen⸗ blick der Freiheit benutzend, dem leidenſchaftlichen Dringen Scipio's nachgegeben, und war zu dem Rendezvous gegan⸗ gen, um das er ſie gebeten.
Ein ziemlich langer Zeitraum war nach dieſem trauri⸗ gen Geſtändniß verſtrichen.
Raphaele und ihre Mutter blieben ſchweigend, duͤſter, niedergedruͤckt.
Miſtreß Wilſon, auf die Seitenlehne eines Sopha's geſtutzt, ſchien die Beute tiefen Schmerzes zu ſein. Sie heftete einen Blick voll Traurigkeit, Mitleid, Liebe und Vergebung auf ihre Tochter. 3
Mortin. H. 8


