Teil eines Werkes 
1. Bandes 2. Theil (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 101 —

fordernde Phyſiognomie. Ihre immer ſo heitern und frohen Augen glaͤnzten in finſterer Gluth, ihr ſtets ſo lachender Mund verzog ſich, die Adern ihrer Stirn ſchwollen auf, kurz, der Ausdruck ihres Geſichts erſchien einen Augenblick lang Raphaelen ſo drohend, daß ſie erſchrocken ausrief:

„Mama haſſe ihn nicht . . . ich liebe ihn ſo ſehr.“

Bei dieſen Worten Raphaelens, welche ihre unheilbare Leidenſchaft fuͤr den Vicomte Scipio Duriveau ausſprachen, verbarg Miſtr. Wilſon mit ploͤtzlicher Umwandlung ihr Ge⸗ ſicht in die Haͤnde und brach in Thraͤnen aus.

„Mutter .. theure Mutter . ich thue Dir ſo weh!“ rief das junge Madchen an Miſtr. Wilſons Hals ſich ſtuͤr⸗ zend: „oh! wie ſchlecht bin ich . . . und wie ungluͤcklich! .. Er liebt mich vielleicht nicht mehr .. . und Dir breche ich das Herz!“

„Er liebt Dich nicht mehr!“ rief Miſtr. Wilſon und trocknete ſchnell mit der Hand die Thränen, die auf ihre Wangen herabrollten: . . . „er liebt Dich nicht mehr .. — und dabei wurden ihre blaſſen Wangen purpurn vor Unwillen. — „Dich ... Dich . .. ſolche Verachtung fuͤhlen laſſen. Dich, ſchöner als alle ... Dich, oh ſo ſchon wie ein verwirklichtes Ideal!“ rief ſie, von thorigtem Stolze der Mutterliebe fortgeriſſen.

„Dich nicht mehr lieben!! er!“ fuhr ſie nach einem augenblicklichen Schweigen fort. „Du weißt alſo noch nicht

Alles, was es mir gekoſtet hat .. ./

Miſtr. Wilſon unterbrach ſich hier: von ihrer erſten