den kleinen, blauen und kalten Haͤnde in die ihre genom⸗ men, ſagte ſie ſeufzend zu der Mutter:
„Ja ſieht Sie, den Lämmern fehlte es weder an der Milch ihrer Mutter, ſie zu ernähren, noch an Wolle, um ſie warm zu halten, ihr einziges Uebel war das, Tag und Nacht in einem niedrigen Stalle ohne Luft und voll Duͤn⸗ ger eingeſperrt zu ſein. Da drin erſtickten die Laͤmmer und viele ſtarben *). Da ſagte ich zu dem Pachter: Fuͤr Eure Fruͤhlingslaͤmmer freie Luft, Gruͤne und Sonne; Nachts offnen und friſchen Stall. Die Lämmer muͤſſen reine Luft einathmen und unter dem Schirme ihrer Muͤt⸗ ter werden ſie nie frieren. Die kleinen Boͤckchen in den Waldern wachſen groß und werden ſtark ohne einen andern Schutz als die Bruſt ihrer Mutter und das Eichengebuͤſch wo ſie gewobfen worden ſind. Aber die Kleinen des Armen,“ ſetzte Bruydre mit Thranen in den Augen hinzu, „ſind mehr zu beklagen als die Kleinen der Schafe im Stalle oder des Rehs im Walde: ihre Mutter kann ſie nicht mit ihrem er⸗ frornen Buſen wärmen, und wenn ihre Milch eintrocknet, finden ſie ihre Nahrung nicht auf den Wieſen oder im Walde. Ihr Kind, liebe arme Mutter, hat Kaͤlte und
*) In mehren Pachthoͤfen werden die Schafe und andres Vieh aus unſeligem Vorurtheile und um die Duͤngermaſſe zu ver⸗ mehren, Tag und Nacht in ungeſunden Ställen auf's Strengſte eingeſperrt gehalten, wo es gaͤnzlich an athmenbarer Luft fehlt. Daher häufige Krankheiten der Organe des Athemholens, und oft Erſtickungstod mit allen ihn begleitenden Symptomen.


