die Leiter auf dem Gipfel des Lehnſtuhls zu befeſtigen. In fünf Minuten ſind wir dort; warten Sie auf mich, ich komme ſogleich zurück.“
Cornelia ſah ihren Führer aufrecht und mit feſtem Fuße über die Brücke gehen, welche der Stein zwiſchen ihr und dem Abgrunde bildete .. Hiernach zwiſchen ſei⸗ nen Knieen und ſeinen Armen einen Vorſprung des an dieſer Stelle völlig ſenkrechten Felſes preſſend, kletterte er an dieſer Hervorragung hinauf, wie man an einem Baume hinaufklettert, gekangte ſo auf den Gipfel des Lehnſtuhls und befeſtigte ſodann daran die Strickleiter, welcher er ſich, um wieder hinabzuſteigen, bediente.
Bei dem Gedanken, aufrecht oder kriechend, jedoch ohne irgend eine Stütze über den ſchmalen, ein paar Schritte langen Stein hinzugehen, von wo aus man unter ſich die unermeßlichen Tiefen erſchaut, deren An⸗ blick ihr einen heftigen Schwindel verurſacht hatte, ſchauerte die Marquiſe, nicht aus Feigheit, ſondern in der Erin⸗ nerung an die unüberwindliche Betäubung, welche fie ein paar Minuten zuvor beinahe in den Abgrund geſtürzt hätte, — eine furchtbare Gefahr, deren erſchreckliche Poeſie ſie gekoſtet hatte.
„So eben,“ ſagte ſie zu Robert, „ſo eben wollte ich unter mich ſchauen . . . der Kopf wirbelte mir . . . ohne das Seil war ich verloren . . . Mein Entſchluß iſt unerſchütterlich, ich will da hinauf gehen, ich werde gehen. Nur kann es ſein, daß ich abermals vom Schwindel er⸗ griffen werde, wenn ich über dieſen Stein hinſchreite .. wie iſt das zu vermeiden?“
Nichts kann leichter ſein,“ erwiederte Robert, nach⸗ dem er einige Augenblicke nachgedacht hatte. „Der Stein iſt breit genug, daß ſich zwei Perſonen, nicht neben einan⸗ der, ſondern ſeitwärts, indem ſie einander das Geſicht zuwenden, darauf halten können; wir werden uns ſo ſtellen, Madame; ich nehme Ihre Hände in die meinigen⸗ Cornelia dAfi. 11½


