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ſchlaff zu werden, ſich zu löſen . . . ihr Blick trübte ſich der Himmel, der Horizont, den ſie nur noch ver⸗ worren erſchaute, drehten ſich vor ihren Augen mit einer ſchwindelhaften Schnelligkeit; ein ſcheinbar kindiſcher, in dieſem Augenblick jedoch furchtbarer Umſtand ſteigerte den Schrecken der Marquiſe auf den höchſten Grad: der Rabenſchwarm, der bei den Zugängen des Gletſchers entflogen war, erhob ſich plötzlich von dem Orte, wo er ſich niedergelaſſen, und ſchwebte, unheimliches Geſchrei ausſtoßend, über ihr . . . Das Herz entſchwand ihr; ſie glitt gegen den Abgrund, ſie ſtürzte hinunter . . . hätte ſie nicht plötzlich das Seil, mit dem ſie umgürtet war, raſch ſich anſpannend, zurückgehalten.
Cornelia hörte ſodann die Stimme ihres Führers, der ſchon auf die Firſte des Kamins gelangt war.
„Madame,“ rief Robert, „Sie können nun aufſteigen; zu größerer Sicherheit habe ich das Seil an eine Fel⸗ ſenſpitze angebunden, und ich werde Sie nur noch, wäh⸗ rend Sie mir näher kommen, zu leiten haben.“
Nachdem die Gefahr beſchworen war, fand die Mar⸗ quiſe dAlfi ihre Geiſtesgegenwart, ihre Kühnheit wieder, und obgleich noch blaß vor Schrecken, ſagte ſie mit einem ſpöttiſchen Lächeln zu ſich ſelbſt:
„Ah! wie bleich ſind die gewöhnlichen Gemüthsbe⸗ wegungen gegen das mächtige Gefühl, das mich ſo eben ergriffen hat . .. Welches Wohlbehagen! welche unſäg⸗ liche Erleichterung folgt auf den Schrecken! mit welcher Wonne athmet man das Leben durch alle Poren ein, nachdem man beinahe verloren geweſen wäre! Findet doch ſolche Gefühle im Spiele, findet ſie in der leiden⸗ ſchaftlichſten Liebe! Nein, ich blasphemire, meine ſelt⸗ ſame Liebe für Dich, o Julian, verdoppelt die berau⸗ ſchende Herbheit dieſer Gemüthsbewegungen. Iſt es, wenn ich an dieſem Tage zweimal den Tod von Ange⸗ ſicht zu Angeſicht erſchaut habe . . . erſchreckliche, er⸗ habene Anſchauung! nicht ſo geweſen, weil ich dieſen


