Druckschrift 
Die Marquise Cornelia d'Alfi oder Der Annecy-See und seine Umgebungen / von Eugène Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

142

der Schellen des Pferdes. Endlich wurde das Geräuſch immer ſchwächer und erloſch dann ganz.

„Nun ſind wir allein,“ ſagte Robert zu ſich ſelbſt, „allein!“

Und er ſchritt ziemlich lange vor der Marquiſe d'Alfi her, dem abſchüſſigen Wege folgend, den die Herden wählen, um in der ſchönen Jahreszeit zu den Waiden der höheren Plateaux hinaufzuſteigen; nach dem Gehölze kam ein Tannenwald in amphitheatraliſcher Stellung; einen glänzend vom Monde beleuchteten Durchgang ver⸗ laſſend, um in den dunklen Wald einzutreten, fühlte Cor⸗ nelia Anfangs jene Art von Blendung, welche die Folge des heftigen Contraſtes von Licht und Finſterniß iſt; ſie ſah nicht auf zwei Schritte weit vor ſich und zögerte, weiter zu gehen. Gewohnt der nächtlichen Ausflüge und mit der Straße vertraut, konnte ſie Robert führen; er ſagte auch zu der Marquiſe, indem er ihr in die Hand ſein Gemſenhorn gab, das an einem der Enden ſeines langen Stockes befeſtigt war:

„Nehmen Sie dies, Madame, ich werde das andere Ende des Stockes halten, und Sie folgen mir ſo, bis ſich Ihre Angen allmälig an die Nacht dieſer Wälder gewöhnt haben.“

Das Geſicht von Cornelia war in der That bald an die ſtellenweiſe durch einen Mondſtrahl, ver ſeine bleiche Helle durch die Zweige der Tannen eindringen ließ, ſchwach zerſtreute Finſterniß gewöhnt, und ſie konnte die Krümmungen des Weges, den ſie erkletterte, und in einer kleinen Entfernung von ſich die ſchwarze Silhouette ihres Führers unterſcheiden.

Jede Andere als die Marquiſe würde, indem ſie ſich zu einer ſolchen Stunde an dieſe öden, verlaſſenen Orte gewagt hätte, von einem unbeſtimmten Gefühle von Furcht ergriffen worden ſein.. Es läßtſich nichts ſo Majeſtätiſches denken als dieſer Wald von hundert Fuß hohen Tannen, welcher da und dort mit Waldglöckchen und rund⸗