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genießen; ſo wie ſie immer höher auf der Steige hinauf kam, ſah ſie zu ihren Füßen das köſtliche Baſſin von Talloires, und da ihr Blick nicht mehr durch den Roe⸗ de⸗Chevres, den ſie beherrſchte, gehemmt war, ſo um⸗ faßte ſie den See in ſeiner ganzen Ausdehnung von Annecy bis zu der Aufthürmung der Berge im Hinter⸗ grunde der Bucht. Dieſe ſo durch den Mond beleuchte⸗ ten Landſchaften nahmen in den Angen von Cornelia ein beinahe phantaſtiſches Ausſehen an: die Fluren, die Wieſen, die Gehölze, welche die Berge des erſten Plans bedeckten, vermengten ſich in einer ein⸗ förmigen Tinte, als wäre der Wiſcher über ihre am Tage ſo lebhaften, ſo wechſelreichen Farben hingefahren; die mehr entfernten bläulichen Gipfel nahmen, am Hori⸗ zont ſich verlierend, Nuancen von Opal und Perlmutter an, während ſich die ſchwarze Silhouette der in der Finſterniß gebliebenen Berge vom Azur des mit Ster⸗ nen brillantirten Himmels und von der ſilbernen Fläche des Sees abhob.
„O Julian,“ dachte Cornelia, „ich liebe es, hier Dein engeliſches Bild bleich und verſchleiert heraufzube⸗ ſchwören, wie es zu dieſer Stunde die, ſonſt in den Feuern der Sonne ſo belebte, Natur iſt. Arme Seele, theurer Schatten . . ſehe ich Dich nicht dort unter je⸗ nen Dünſten der Nacht ſchweben?“
Am Rande des Kamins ſtehend, gab ſich die Mar⸗ quiſe dAlfi dieſen Träumen, dieſen Viſionen hin, mit denen ſie ihre ſeltſame Liebe nährte; plötzlich bebte ſie, als ſie die Stimme von Robert vernahm, der ihr ent⸗ gegen kam und zu ihr ſagte:
„Madame, Sie müſſen ſich nicht im Voraus ſo müde machen.“
„Was wollt Ihr von mir?“ verſetzte ungeduldig die Marquiſe, welche kaum die Worte ihres Führers gehört atte.
„Madame, ich erwartete Sie bei der Kapelle von


