Druckschrift 
Die Marquise Cornelia d'Alfi oder Der Annecy-See und seine Umgebungen / von Eugène Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

132

„Vollendet doch!“

Ich ſagte, Frau Marquiſe, verſehen mit einem lan⸗ gen Seile, das ich unter Ihren Armen feſtgebunden hätte, würde ich zuerſt vorrücken, und auf einem Felſen ange⸗ langt, der ſich am Ende des Kamins findet, würde ich Sie mittelſt des Seiles halten, und mit Muth und Ge⸗ ſchicklichkeit könnten Sie ſo hinaufſteigen; vielleicht wäre es ſogar möglich, ſich einer Strickleiter zu bedienen; ich würde ſie bis heute Abend verfertigen laſſen.“

„Mir gleichviel! der Muth, die Gewandtheit und die Kaltblütigkeit laſſen mich nie im Stiche.“ „Dann iſt es gut, gnädige Frau, denn ich ſage

Ihnen zum Voraus, Sie werden ſo über entſetzlichen Abſtürzen ſchweben.“

„Auf der Brücke von Saint Clair betrachtete ich den 1

Abgrund, ohne zu erbleichen. Doch haben wir einmal den Stein erreicht, von dem Ihr ſprecht, werden wir dann auf der Firſte der Tournette ſein?“

„Oh! nein, Frau Marquiſe, es bleibt noch das Schwierigſte.“

„Was iſt das?“

„Der Kamin mündet gegen ein Felsſtück, das, wie eine Brücke über einen Ausſchnitt geworfen iſt, der den Gipfel des Lehnſtuhls trennt; über dieſen ſehr ſchmalen Stein kann man nur aufrecht hinſchreiten, oder man muß, wenn man im Kopfe nicht ganz feſt iſt, auf den Knieen und den Händen hinüberkriechen; in dieſer Lage aber ſchaut man nothwendig unter ſich, und da ſieht man, daß man auf einem ſchmalen Steine, in einer Höhe von acht⸗ bis neuntanſend Fuß hinkriecht.,“

„Kriechen!“ rief die Marguiſe mit einer Geberde

ſtolzer Verachtung gegen die Gefahr, „in einer ſolchen

Höhe kriecht man nicht . . . man ſchwebt.“

Die Marguiſe dAlfi ſprach dieſe Worte mit einem ſolchen Ausdruck von Begeiſterung und unbezähmbarer Entſchloſſenheit, daß Robert, betroffen von der Kühnheit