53 raſch auch ihr Sturz ſein mag, der Abgrund iſt von einer Tiefe, daß ſie Zeit genug haben, um ſich fallen zu ſehen! Entſetzliche Strafe! . . . Und dann werde ich ihnen nachfolgen!! Doch dieſe Rache, um ſie zu ſichern, muß ich ein paar Tage, einen Monat vielleicht warten, mich verſtellen! Mein Gott! mein Gott! Iſt das möglich? Ich ſoll dieſer Frau ins Geſicht ſchauen, ich ſoll ihre Stimme hören und mir ſagen: Dieſe Au⸗ gen, dieſe Stimme haben mein Kind bezaubert! Auf dieſem verhängnißvoll ſchönen Geſichte hat es ſein To⸗ desurtheil geleſen! Dies mir ſagen und ruhig bleiben vor dem Ungeheuer! Es nicht erwürgen mit meinen Händen! es nicht zertreten unter meinen Füßen wie eine Schlange! Werde ich mich zurückhalten können? Und ich ſage, das Blut mache mir bange! Das iſt nicht wahr! das iſt nicht wahr! . . In dieſem Augenblick, wenn ſie da wäre, würde ich ihr Blut mit einer wilden Freude fließen ſehen . . . Doch . . . dieſe Frau tödten das iſt für mich das Schaffot! Nun wohl! ja, das Schaffot! Aber ein ſchwaches, wehrloſes Ge⸗ ſchöpf erwürgen, nein, nie! . . . Die andere Rache alſo! Sie zuerſt . und ich hernach. Und wenn ich das Entſetzen, das mir der Anblick dieſer Frau einflößt, nicht überwinden kann? Was dann thun? Oh! der Kopf wird mir toll . . . ich werde wahnſinnig . . . . Meine Stirne zerſpringt! Licht! Luft! Raum!“
Und von einem wüthenden Schwindel erfaßt, ſtürzte dieſer Unglückliche aus dem Keller, verließ das Haus von Rouſſeau mit irrem Ange, leichenbleichem, erſchreck⸗ lichem Geſichte, ſtieg keuchend einen jähen Fußpfad durch den Wald von Veyrier hinauf, kam auf das Hochplateau, von wo aus man ein herrliches Panorama genießt, ſchritt über daſſelbe hin, erreichte einen ſchmalen, mit Kieſelſtei⸗ nen beſäten, ſich an den Flanken des Berges hinſchlän⸗ gelnden, gefahrvollen Weg, gelangte, von Fels zu Fels kletternd, zu den Vernet⸗Wieſen, ließ dieſe köſtliche grüne


