—
37
den munteren Heumacherinnen der Erntegeſang, ein im Chore durch weibliche Stimmen wiederholtes Lied von einer ländlichen Melodie.
Robert ſah nun bei der Biegnng einer Baumgruppe einen vierräderigen Wagen, gezogen von zwei ſchönen, ſilberweißen Kühen, erſcheinen; die Milch ſchwoll ihre roſenfarbigen Euter an; mehrere grüne Buchenzweige beſchatteten den Kopf, die Bruſt und die breiten Seiten
dieſer zwei friedlichen Thiere und beſchützten ſie vor den
Stichen der Bremſen; dieſes Blätterwerk gab dem bäu⸗ riſchen Wagen ein feſtliches Ausſehen; einige blühende Ranken von wilder Waldrebe, die man ſo häufig in die⸗ ſem Lande trifft, ſchaukelten ſich auf dem Kopfe der zwei Kühe, hatten ſich durch einen anmuthigen Zufall um ihre Hörner gerollt, verſchleierten halb ihr verſtändiges, ſanftes Auge und ließen ihre Blüthenbüſchel mit dem wohlriechenden Schnee niederfallen; ein Mann in der Kraft des Alters ſchritt dem Wagen voran und lenkte, zuweilen rückwärts gehend, mit der Stimme und mit der Geberde das Geſpann, das er von Zeit zu Zeit mit ei⸗ nem Stabe ohne Treibſtachel berührte; mehrere junge Mädchen, worunter Fanchette, ſtanden um den leeren Wagen gruppirt, welcher eine neue Ladung Heu mit⸗ nehmen ſollte, und ſangen im Chore das Erntelied.
Fanchette erkannte Robert, lächelte und rief ihm von ferne zu:
„Ich danke ſehr für jenen Abend am Rande der Schlucht . . Sie wiſſen? Ich danke ſehn immer . . .“
Und ſie vereinigte wieder ihre Stimme mit der ihrer Gefährtinnen.
Dieſes friedliche, lachende Gemälde contraſtirte ſo grauſam mit dem Schmerze von Robert, daß er unge⸗ ſtüm die Wieſe verließ und aus den Augen der Mäd⸗ chen verſchwand, deren Geſänge im Gebirge ertönten.


