Der Anblick der todten Natur gefällt den troſtloſen Herzen; die Herrlichkeiten einer üppigen, durch die Strahlen der Sommerſonne vergoldeten, von einem azurblauen Himmel bekränzten Natur reizen den Schmerz wie eine Herausforderung. Eine ewige Trauer erfüllte die Seele dieſes verzweifelnden Vaters, und um ihn her war Alles Freude, Grün, Lieder, Wohlgerüche und Licht . .
Die Zeit der Heuernte war gekommen.
Eines Abends kehrte Robert in ſein Haus zurück; nach ſeiner Gewohnheit die einſamen und abchlüſſigen Orte aufſuchend, war er über den Gipfel des Veyrier⸗ Berges gegangen, als er, nachdem er die in die Spalten des Felsgeſteins eingewurzelten Tannen⸗ und Buchengehölze durchwandert hatte, zu ſeinem Erſtaunen vor ſeinen Augen weite Prairien, ſtellenweiſe beſchattet von Eichen, ſich ent⸗ rollen ſah, — eine wahre, zwiſchen zwei Kegeln verbor⸗ gene Haſe, deren Daſein in einer ſolchen Höhe man un⸗ möglich ahnen kann, wenn man am Fuße dieſes Berges der Straße nach Thones folgt; von dieſen Weiden herab erblickt man einen unermeßlichen Horizont und unter ſich in einer ungeheuren Tiefe ſieht man den See, glänzend wie ein Saphir, eingefaßt von ſeinen ſammetartigen grü⸗ nen Ufern.
In dem Augenblick, wo Robert zu dieſer Oaſe kam, mähte man ihre von tauſend Alpenblumen mit den wechſelreichen Farben duftenden Wieſen: Purpurroth, Weiß, Orangegelb, Blau, Lila vermengten ihre Nuancen; die ſcharfen Gerüche dieſer Heuernte erfüllten mit ihrem Balſam die reine Luft, die man auf dem Gipfel der⸗ Berge einathmet; die Kühle wurde köſtlich; große, bläu⸗ liche Schatten überzogen allmälig dieſe durch die Reflexe der untergehenden Sonne goldglaſirten Prairien; Frauen, junge Mädchen mit breiten Strohhüten auf dem Kopfe, mit nackten Armen und Füßen häuſten behende, geräuſch⸗ voll, munter das Heu in kleinen Schobern auf oder zogen es mit Rechen zuſammen; plötzlich ertönte unfern von


