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endlich fand er in dem klaren Bache in der Nähe ſeiner Wohnung nicht mehr die Wäſche, die er, durch ein paar ſchwere Steine feſtgehalten, zurückgelaſſen hatte; doch er ſah ſie, als er in das Haus hineinging, auf der Fenſter⸗ lehne liegen, und zwar garz ſorgfältig gebügelt. Dieſe be⸗ harrlichen Aufmerkſamkeiten, welche von einem naiven Zartgefühle und einer innigen Dankbarkeit zeugten, rühr⸗ ten Rohert oft bis zu Thränen und milderken die Bitter⸗ keit ſeines Kummers.
„O mein Sohn!“ ſagte er zu ſich ſelbſt, „o mein Julian! Du hätteſt nicht im Tode eine Zuflucht gegen die Schande, gegen die Qualen, gegen die Verzweiflung geſucht, in welche Dich dieſe entſetzliche Frau, dieſes Un⸗ geheuer der Treuloſigkeit und der Grauſamkeit geſtürzt hat, würdeſt Du bei Deinem Eintritte in das Leben, als ein armer achtzehnjähriger Knabe, eine Seele rein und unſchuldig wie die dieſes ſanften Weſens, deſſen Dank⸗ barkeit ein vortreffliches Herz errathen läßt, gefunden haben! O Jean Jacques, Du, der Du vielleicht in die⸗ ſer Einſamkeit wandelteſt, wo ich heute die Ausbrüche, die Klagen, die endloſen Schmerzen Deiner großen, bis auf den Tod durch die Ungerechtigkeit, den Uündank und die Bosheit der Menſchen verletzten Seele ſehe! Jean Jacques! männlicher, erhabener Erzieher der Jugend; Du haſt den Emil geſchrieben, um die Väter vor den Gefahren einer ſcheinbaren, lügenhaften und die unvergäng⸗ lichen Geſetze der Natur umſtürzenden Erziehung zu be⸗ wahren! Bieſes Buch habe ich geleſen als ein Meiſterwerk von Kunſt und Beredtſamkeit, doch nicht als ein Meiſterwerk von praktiſcher Vernunft! Deine ſo zar⸗ ten, ſo weiſen, ſo tief geſuchten, ſtudirten und gerade in der Weſenheit der Beziehungen, welche zwiſchen dem Vater und dem Sohne beſtehen müſſen, gefundenen Lehren, habe ich vernachläſſigt.
„Wehe auch mir! es iſt gekommen der Tag, wo mein
Cornelia d'Aufi. 3


