2
daß ich der wohlwollenden und ehrenvollen Vermittelung von Herrn dAzeglio, dem Conſeil⸗Präſidenten des Kö⸗ nigs von Sardinien, die edelmüthige Gaſtfreundſchaft verdanke, die ich hier genieße.
„Du weißt nichts von der Politik, liebe Schweſter, ich werde Dir alſo nichts von der Freiheit ſagen, welche in den ſardiniſchen Staaten herrſcht, ich werde auch nicht von Herrn d'Azeglio als Staatsmann ſprechen, doch es wird Dich eine tiefe Sympathie für ihn ergrei⸗ fen, wenn ich mit Dir von dem Adel des Charakters des Privatmannes, von dem Muthe des Soldaten rede, deſſen Blut für die heilige Sache der Unabhängigkeit des Vaterlands gefloſſen iſt, wenn ich endlich vom Zau⸗ ber ſeines Geiſtes und von ſeinem doppelten Talente als Dichter und als Maler ſpreche! Der Staatsmann zieht, vom Gange der Ereigniſſe fortgeriſſen, vorüber, aber der großherzige Mann, der gleich merkwürdig als Künſt⸗ ler wie als Schriftſteller, überlebt die Ereigniſſe.
„Ich komme zum Gegenſtande und zum Zwecke dieſes Werkes.
„Der Annech⸗See und ſeine Umgebungen ſind mei⸗ ner Anſicht nach nicht ſo bekannt, als ſie es zu ſein ver⸗ dienen. Meine Wünſche wären erfüllt, wenn das Leſen des Werkes, das ich veröffentliche, einige Touriſten, ei⸗ nige ihre Kunſt liebende Maler, einige Perſonen, die den Geſchmack für den Feldbau beſitzen, veranlaſſen könnte, die Herrlichkeiten dieſer Gegend zu beſuchen, welche mit der Größe und der reichen Abwechſelung der Alpenlandſchaft eine wunderbare Fruchtbarkeit und eine ſehr weit vorgeſchrittene Landwirthſchaft verbindet.
„Ich habe Lente in der großen Welt gekannt, Künſtler, welche mit Recht für die Schweiz, die Sa⸗ voyen ſo nahe liegt, begeiſtert waren und nichtsdeſtoweniger gewiſſe Schönheiten des letzteren Landes bewunderten, deren Ruf europäiſch iſt: wie Chamounir, der Montblanc, der Bourget⸗Seez nie aber hat einer


