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Die Kinder der Liebe : fünf Bändchen / von Eugène Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
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„Die Baronin von Montglas?“ ſagte der Gene⸗ ral Roland bebend zu ſich ſelbſt; „mir ſcheint, dieſer Name iſt mir nicht fremd.“

„Ich kenne gar keine Baronin von Montglas,“ ſprach ſehr erſtaunt die Gräfin, während ſie ſich nichts⸗ deſtoweniger in Begleitung ihrer Tochter nach der Gal⸗ lerie wandte, um dort die vorgebliche Baronin zu em⸗ pfangen ihre Schutzbefohlene von Saint⸗Lazare, zum Gefängniß verurtheilt wegen Mordverſuchs, und am Tage vorher in Freiheit geſetzt, in Folge ihres heuch⸗ leriſchen Benehmens und der mächtigen Empfehlung der Gräfin.

Louiſa Marchetti, geben wir derſelben ihren wah⸗ ren Namen zurück, kam alſo langſam aus der Tiefe der Gallerie herbei; ihr außerordentlich eleganter, obgleich ſehr einfacher, Ballanzug hob noch mehr ihre ſeltene Schönheit hervor; ihre braunen Wangen waren belebt, ihre großen, ſchwarzen Augen glänzten von einem dü⸗ ſtern Feuer, ihr gezwungenes, höhniſches Lächeln ver⸗ rieth einen unverſöhnlichen Entſchluß; denn ſie kam, um ihre Mutter zu rächen, für welche ſie, trotz ihres ſchändlich ausſchweifenden Lebenswandels, eine Art von Verehrung bewahrte.

Die Gräfin, der ihre Tochter folgte, konnte An⸗ fangs aus der Ferne nicht hinreichend die Züge der jungen Frau unterſcheiden; ſie trat gegen dieſe vor und fragte ſich, wer die elegante Baronin von Mont⸗ glas ſein könnte. Als ſie aber nur noch ein paar Schritte von Louiſa entfernt war, blieb die Gräfin wie verſteinert ſtehen. Sie wollte ihren Augen nicht trauen, und es war ihr doch, als erkennete ſie ihren demüthi⸗ Len Schützling von Saint⸗Lazare; aber das kam ihr ſo unmöglich vor, daß ſie zuerſt wähnte, es walte eine außerordentliche Aehnlichkeit ob, und zwar um ſo mehr, als die häßliche Tracht der Gefangenen, ihre graue, die Haare bedeckende Haube bie dahin Louiſa in den Augen der Gräfin ein ganz anderes Ausſehen, eine