—— —
327
„Mein Herr,“ erwiederte der General, erſtaunt über dieſen plötzlichen Umſchlag in der Sprache ſeines Sohnes, „wenn Ihre erſten Worte nicht beinahe Schmä⸗ hungen geweſen wären. . .“
„Ich habe Unrecht gehabt; ich hatte ein Glas Branntwein zu viel getrunken; Ihre Härte, Ihre nie⸗ derſchmetternde Verachtung benehmen mir den Rauſch, das iſt mir lieb.“
„Wohl, mein Herr, ſo kehren Sie zu beſſern Ge⸗ fühlen zurück. Treten Sie hier ein, ſage ich Ihnen. Nach dem Feſte werde ich Sie hier aufſuchen, und wir ſprechen mit einander ... Sie ſollen zufrieden mit mir ſein, ich bin es mit Ihnen .. doch ich erwarte jeden Augenblick Gäſte; meine Frau und meine Tochter kön⸗ nen in dieſen Salon kommen . ..
„Gerade deshalb bleibe ich; ſehen Sie, ich gäbe meinen Platz hier, zu dieſer Stunde, nicht für zwanzig tauſend Franken.“
„Mein Herr,“ ſagte der Graf beinahe flehend, und mehr erſchrocken über die Ruhe von Delmare, als über die cyniſche Unverſchämtheit, die er Anfangs an den Tag gelegt hatte, „mein Herr, Sie ſprachen ſoeben den Namen Ihrer Mutter aus... Ich habe großes Un⸗ recht gegen ſie gehabt, und dennoch beſchwöre ich Sie in ihren Namen .4
„Unb ich werde in ihrem Namen eine furchtbare Rache an Ihnen nehmen. Hören Sie wohl! ich, der ich ihren langſamen Todeskampf geſehen, ich, der ich ſie traurige erſte Erinnerung meiner Jugend, mei⸗ nen Bruder umarmend ſterben ſah.“ .
„Ihren Bruder!“ rief der General, der ſich einer unbeſtimmten, äußerſten Hoffnung hingab. „Sie kön⸗ nen nicht der Sohn von Madame Delmare ſein, ſie hatte nur ein Kind!“
„Acht Monate nach dem Tod ihres Gatten, des Mannes, den Sie getödtet, hat meine Mutter einen Sohn, den Sohn von Herrn Delmare, geboren. „


