Druckschrift 
Die Kinder der Liebe : fünf Bändchen / von Eugène Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

9

mit meine Frau und ich Ihnen wenigſtens vanken können.“

Herr von Bourgueil gab dieſem Drängen nach, nahm eine Karte aus ſeiner Taſche, überreichte ſie Herrn Delmare und ſagte artig zu ihm:

„Obgleich in der That kein Grund zu einem Dank von Ihrer Seite wegen einer ſolchen Geringfügigkeit vorhanden iſt, mein Herr, werden doch Frau von Bour⸗ gueil und ich ſehr glücklich ſein, wenn ſie die Ehre ha⸗ ben, Sie zu empfangen.“

Herr Delmare ſteckte die Karte in ſeine Weſten⸗ taſche, als er ſeine Frau halblaut zu Frau von Bour⸗ gueil, neben der ſie ſitzen geblieben war, ſagen hörte:

„Mein Gott, Madame, ſchauen Sie doch das hübſche Geſchöpf an!“

„Welches charaktervolle Geſicht!“ erwiederte Frau ſan Bourgueil, „ſie muß Italienerin oder Spanierin ein.“

Als Herr Delmare dieſe Worte hörte, ſchlug er die Augen auf und ſah in geringer Entfernung eine große, elend gekleidete junge Frau. Sie trug auf ihrem rechten Arm ein Kind im Wickelzeug, mit Lumpen um⸗ hüllt; in ihrer linken Hand hielt ſie mehrere Veilchen⸗ ſträuße, die ſie den Spaziergängern anbot. 3

Die Sträußchenhändlerin bot, wie Frau von Bour⸗ gueil bemerkt hatte, den vollendeten Typus der ſüdlichen Schönheit; ſie war groß, ſchlank, und unter den ent⸗ ſtellenden Falten ihres linnenen Rockes errieth man einen trefflichen Wuchs; ihr rothes, en marmotte um den Kopf gewickeltes Tuch ließ zwei Bänder blauſchwar⸗ zer, der Farbe nach denen ihrer Brauen ähnlicher Haare erſchauen, ihr durch das Elend abgemagertes, aber wun⸗ derſam ſchönes Geſicht; ſchien vergoldet durch die Strah⸗ len der Sonne des Süden; ihr Mund hatte ein Gepräge ſchmerzlichen Stolzes; ihr bald ſtarrer, bald zerſtreuter Blick gab ihren großen ſchwarzen Augen einen ſelt⸗ ſamen Ausdruck. Sie blieb, ihr Kind auf ihrem Arm