2
9 Alter und ſtarkem Körperbau, trug eine goldene Brille an einem Band; ſeine ſanften, gutmüthigen Züge boten einen Ausdruck vollkommener Ruhe und Glückſeligkeit; er hatte das erwähnte Kind auf ſeinen Schooß genom⸗ men, verſchlang es mit den Augen und ſchien in Anbe⸗ tung vor ihm zu ſein; der kleine Knabe hielt in jeder 1 Hand eine von den Fahnen von weißem Papier, worauf Lilien, wie man ſie damals auf den Boulevards ver⸗ kaufte, während man auf einem nahen Stuhl mehrere andere für ihn auf dem Spaziergang gekaufte Spiel⸗ zeuge ſah: ſeine geringſten Launen waren Befehle für ſeinen Vater, Herrn Delmare.
Plötzlich neigte ſich dieſer zu ſeiner Fran und mit leiſer Stimme und mit einer entzückten Miene zu ihr: „Anna Anna haſt Du gehört?“
„Was, mein Freund?“
„Dieſe Dame . neben uns links
„Die Dame mit dem blauen Hut?“ verſetzte Ma⸗ dame Delmare ein wenig vorrückend, um ihre Nach⸗ barin anzuſchauen; „ſie iſt hübſch wie ein Engel, ob⸗ gleich ein wenig bleich ich hatte ſie ſchon bemerkt.“ „Nun denn! meine liebe Anna, die Dame mit dem blauen Hut iſt ebenſo geiſtreich, als ſie hübſch iſt.“
„Woher weißt Du das, mein Freund?“
„Sie hat ſo eben, auf unſern kleinen Adalbert deu⸗ tend, zu ihrem Mann geſagt: „„Mein Gott ſehen Sie doch das köſtliche Kind mit ſeinen blonden Haaren!““
„Ich begreife, mein Freund, daß Du das ſehr geiſt⸗ reich findeſt,“ erwiederte lächelnd Madame Delmare; „doch ohne im Erguß meiner Dankbarkeit ſo weit zu gehen, wie Du, ſage ich, daß die Dame im blauen Hut, wenn ſie unſern Adalbert hübſch findet „ einen Beweis von ſehr gutem Geſchmack gibt.“
Herr Delmare preßte nun den blonden Kopf des
Knaben zwiſchen ſeinen beiden Händen, küßte ihn zärt⸗ lich und ſagte leiſe zu ihm: 3


