Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Auf einem Abhang am weſtlichen Ende des Thals ſtand eine Gruppe alter hohler Weiden, deren Stämme von Geis⸗ blatt und von Winden mit Glocken von allen Farben um⸗ rankt waren. Auf den mit reichlichem Moos bedeckten Wur⸗ zeln dieſer Bäume ſaßen ein Mann und eine Frau. Ihre völlig gebleichten Haare und ihre Runzeln verriethen ein hohes Alter. Und doch war dieſe Frau vor kurzem noch jung und ſchön geweſen, und ihre blaſſe Stirn hatte langes ſchwarzes Haar überſchattet. Und doch hatte dieſer Mann noch kürzlich in aller Rüſtigkeit dageſtanden.

Von der Stelle aus, wo dieſe beiden Menſchen ruhten, über⸗ ſah man das Thal mit ſeinem See und ſeinen Wäldern bis zu einem hohen bläulichen Berg, hinter deſſen ſteilem Gipfel die Sonne hervorkommen wollte — eine lachende und doch me⸗ lanchvliſche Landſchaft, deren Anblick in dem Schleier der Däm⸗ merung etwas feierliches hatte.

„Schweſter,“ ſagte der Greis zu der alten Frau, „wie oft haben wir das Erwachen der Natur mit einem Gefühl un⸗ heilbaren Schmerzes angeſehen in den langen Jahrhunderten, ſeitdem die Hand des Herrn uns in die weite Welt geworfen hat, auf daß wir die Erde von Pol zu Pol durchwanderten.

Von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung war noch ein Tag zu durchlaufen, ein Tag, der die Zahl unſerer Tage unnützer Weiſe vermehrte, da der Tod uns immer floh.“

„Aber ſeit einiger Zeit, Bruder,“ erwiderte das Weib, „hat der Herr in ſeinem Erbarmen bewilligt, daß für uns wie für die andern Geſchöpfe jeder abgelaufene Tag ein Schritt näher zum Grabe wäre. Ehre ſei dem Höchſten!“

„Preis ihm, Schweſter. Seit geſtern, wo ſein Wille uns ein⸗ ander nahe gebracht hat, fühle ich die unbeſchreibliche Mat⸗ tigkeit, welche die Annäherung des Todes verurſachen muß.“

„Auch ich habe gefunden, daß meine Kräfte, die ſchon ſehr abgenommen hatten, ſich in einer ſanften Erſchöpfutß immer mehr verloren. Gewiß naht das Ende unſeres Lebens heran, und der Zorn des Herrn iſt verſöhnt.“

„Ach, Schweſter! gewiß ſteht auch der Tod des letzten

Sprößlings meines fluchbeladenen Geſchlechts nahe bevor, zur

Vollendung meiner Erlöſung. Der Wille Gottes hat ſich

endlich kund gethan. Ich werde Vergebung erlangen, wenn