Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Beſitzurkunden nacheinander vor, Sie prüfen dieſelben und dann werden ſie wieder in das Käſtchen gelegt, welches ich Ihnen in Gegenwart des Beamten einzuhändigen habe.“

„Das iſt ganz in der Ordnung,“ ſagte Rodin.

Samuel übergab dem P. Caboccini ein Notizbuch, trat an das Käſtchen und drückte auf eine verborgene Feder. Der ſchwere Deckel hob ſich in die Höhe, und ſo oft Caboccini aus dem Buch einen Betrag ablas, nahm Samuel die be⸗ treffende Beſitzurkunde aus dem Käſtchen heraus und über⸗ reichte ſie dem P. Rodin. Dieſer prüfte ſie ſorgfältig und gab ſie dem alten Juden zurück. Die Durchſicht ging ſchnell von Statten, denn die ungeheuren Beträge beſtanden nur aus achterlei Papieren (2 Millionen 5 % franzöſiſche Rente, 900,000 dgl. 3 %, 5000 franz. Bankactien, 3000 Kanal⸗ actien, 125,000 Ducati neapolitaniſche Rente, 3000 öſtreich. Metalligues, 75,000 Pfd. Sterl. 3 % engl. Rente, 1,200,000 fl. holländiſche, 28,860,000 fl. niederländiſche Obligationen — alles auf Inhaber) und außerdem aus 500,000 Fr. Bank⸗ zettel, 250,000 Fr. in Silber und 35,000 Fr. in Gold.

Nachdem Rodin den letzten der 500 Bankzettel gezählt hatte, gab er ſie dem Juden zurück und ſagte: „Richtig: zweihundert zwölf Millionen hundertundfünfundſtebzig tauſend Franken.“ Sein Athem ſtockte, ſeine Augen ſchloſſen ſich und er mußte ſich auf Cabvecini ſtützen. „Sonderbar!“ ſagte er mit heiſerer Stimme. „Ich hätte mich ſtärker gegen Ge⸗ müthsbewegungen geglaubt — — Was ich fühle, iſt unge⸗ wöhnlich.“

Caboccini ſah, wie Rodins Geſicht grüngelb ward, und wie alle ſeine Glieder zuckten. „Lieber Pater,“ rief er ihm zu, „kommen Sie doch zur Beſinnung! So ſehr darf doch die Freude über den glücklichen Erfolg Sie nicht berauſchen!“

Rodin ward durch ſeine Willenskraft und durch die bele⸗ bende Wirkung der unausſprechlichen Freude in den Stand geſetzt, dieſen Anfall von Schwäche zu überwinden. Stolz und ruhig richtete er ſich wieder auf und ſagte zn Cabveeini: „Es iſt nichts. Ich habe nicht an der Cholera ſterben wollen; am 1. Juni will ich nicht vor Freude ſterben.“ Sein Geſicht, obwohl entſetzlich bleich, ſtrahlte von Stolz und Verwegenheit. Auf einmal nahmen die ſonſt immer lächelnden Züge des

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