Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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des Abbé Gabriel, des einzigen lebenden Erben der Familié Rennepont. Dieſer Herr hier iſt mein Secretär.“

Samuel betrachtete den Redenden aufmerkſam und ſprach: „Ja, ich erkenne Sie wieder. Kommen Sie gefülligſt mit.“ Er ging ihnen durch den Thorweg voran, und die Jeſuiten folgten ihm.

„Dieſer verfluchte Alte,“ flüſterte Rodin ſeinem Socius zu, „hat mich mit ſeinem Wartenlaſſen ſo aufgebracht, daß ich, glaub ich, das Fieber habe. Meine Lippen und meine Kehle ſind trocken wie gedörrtes Pergament.“

„Wollten Sie nicht etwas zu ſich nehmen?“ fragte der Einäugige theilnehmend. „Sie könnten ſich ja von dem Alten ein Glas Waſſer geben laſſen.“

„Nein, nein!“ erwiderte Rodin. „Die Ungeduld verzehrt mich. Weiter iſts nichts.“

Als Samuel unter dem Thorweg an den Eingang ſeiner Wohnung kam, fragte er im Vorbeigehn ſeine in der Thür ſtehende Frau, welche bleich und betrübt ausſah, wie er: „Und die Vorhänge im Trauerſaal?“

„Sind zugezogen.“

„Und das eiſerne Käſtchen?“

„Iſt zugerichtet.“

Fragen und Antworten geſchahen in hebräiſcher Sprache, von welcher die beiden Jeſuiten nichts verſtanden. Nach dieſen Worten lächelten beide alte Leute auf eine eigene Weiſe einander an.

Samuel führte ſeine Beſucher aus dem Thorweg in den Garten und dort die Vortreppe des einſamen Hauſes hinauf in die Vorhalle, in welcher eine Lampe brannte. Rodin be⸗ wies ein gutes Ortsgedächtniß, indem er ſtracks auf den rothen Saal zuging, wo die Verleſung des Teſtaments ſtattgefunden hatte. Samuel rief ihm zu: „Nicht dahin! —“ nahm die Lampe und ging nach einer dunkeln Treppe.

„Das vorige Mal ſind wir ja in dieſem Saal zuſammenge⸗ kommen,“ bemerkte Rodin.

„Und dies Mal iſt die Zuſammenkunft oben,“ erwiderte Samuel, langſam die Treppe hinauf gehend.

„Wo oben?“ fragte Rodin, ihm folgend.

„Im Trauerſaal.“

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