Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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1 zu „Um zwei Uhr — — bei mir —“ und ſtreckte die Hand

aus, um ſie in den Weihbrunn zu tauchen. Faringhea hielt

ihm den Weihwedel hin. Er befeuchtete ſeine Finger an

demſelben und machte mit der Feuchtigkeit ein Kreuz auf die

Stirn. Nachdem er nochmals zu dem Würger leiſe geſagt

hatte: „Um zwei Uhr bei mir —“ ging er zur Kapelle hinaus.

Caboceini wollte gleichfalls den Weihwedel benutzen, da aber

Faringhea denſelben raſch zurückzog, ſo hielt er ſich nicht

länger auf und eilte dem P. Rodin nach, welchen er, zumal

an dieſem Tag, keinen Augenblick aus dem Geſicht verlieren

ſollte. Faringhea warf dem P. Rodin einen unbeſchreiblichen

Blick nach und ſank wieder auf die Knie, das Geſicht in den

Händen verbergend.

3 Beide Patres beſtiegen einen bereit ſtehenden Miethwagen,

und fuhren nach dem Quartier Marais zu. Fieberhafte Auf⸗

regung und Ungeduld lag auf dem Geſicht Rodins. Mehr⸗

mals öffnete er ſeine Brieftaſche, las und ordnete die Todes⸗

ſcheine der Familie Rennepont. Zuweilen ſtreckte er den Kopf

zum Schlag hinaus, als wollte er den Gang des Fuhrwerks

beſchleunigen. Cabveceini ſah ihn mit unverwandtem ſeltſam

höhniſchem Blick an. Endlich fuhr die Kutſche in die Fran⸗ 8

eiscusſtraße und hielt vor dem eiſenbeſchlagenen Thor des

alten Hauſes an. . Rodin ſprang aus dem Fiaere mit der Behendigkeit eines

Jünglings und klopfte heftig an dem Thor, während der wohl⸗

beleibte kleine Pater bedächtlicher ausſtieg. Als ſich auf das

Anklopfen in den nächſten Augenblicken nichts hören ließ,

wiederholte er es, horchte und vernahm ſchleppende Tritte,

die aber in einiger Entfernung von dem Thor aufhörten.

„Es iſt mir, als ob das Feuer der Ungeduld mich verzehrte!“

ſagte er, klopfte noch heftiger zum dritten Mal und begann

an ſeinen Nägeln zu kauen.

Plötzlich ging das Thor auf, und Samuel erſchien unter

dem Bogen. Das Geſicht des alten Wächters drückte bitteren

Schmerz aus und trug die Spuren von Thränen, welche ſeine zitternde Hand abwiſchte, als er das Thor öffnete. Als er

die beiden Jeſuiten erblickte, fragte er: „Wer ſind Sie, meine Herren?“

Haſtig antwortete Rodin: „Ich bin der Bevollmächtigte