Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Neunzehntes Kapitel. Der erſte ni

Die Kapelle im Haus der E. E. Vüter in der Vaugirard⸗ ſtraße war ſchmuck und zierlich. Große gemalte Fenſter ver⸗ breiteten in derſelben ein Dämmerlicht. Der Altar ſtrahlte von Gold. In einer Vertiefung ünter der Orgel ſtand an der Thür ein marmorner Weihreſſel mit reicher Bildhauer⸗ arbeit. Neben dieſem Weihkeſſel in der dunkeln Vertiefung, wo man ihn kaum bemerkte, kniete am frühen Morgen des 1. Juni, ſobald die Thür der Kapelle geöffnet worden war, der Würger Faringhea nieder.

Der Meſtize war tief betrübt. Von Zeit zu Zeit ſchau⸗ derte und ſeufzte er, als ob er die Bewegungen eines hefti⸗ gen inneren Kampfes zu bemeiſtern ſuchte. Seine vom Geiſt der Zerſtörung beſeſſene Seele hegte eine tiefe Bewunderung

ür Rodin, der gleichſam einen magnetiſchen Zauber über ihn ausübte, und deſſen Teufelsſchlauheit ihm als etwas über⸗ menſchliches erſchien. Rodin, ſeiner Ergebenheit gewiß, hatte ihn benutzt, um das tragiſche Ende der Liebe von Adriana und Dſchalma herbeizuführen. Was der Würger von der Geſellſchaft Jeſu wußte oder begriff, erfüllte ihn mit Bewun⸗ derung. Dieſe unermeßliche geheime Macht, welche die Welt mit ihren Verzweigungen unterhöhlte und durch teufliſche Mittel zu ihrem Ziel gelangte, begeiſterte ihn ſo, daß die blinde Er⸗ gebenheit für ſie, welche wandelnde Leichen machte, noch über ſeine Bewunderung Rodins hinausging.

Faringhea hatte einige Zeit neben dem Weihbrunn gekniet, als Tritte ſich hören ließen. Rodin, begleitet von ſeinem Sweius, erſchien, tauchte ſeine Finger in das Weihwaſſer, kniete nieder ünd verrichtete ein kurzes Gebet. Ohne den Würger bemerkt zu haben, ſtand er wieder auf, verneigte ſich gegen den Chor hin und wandte ſich abermals der Thür zu. Als er diesmal an den Weihkeſſel kam, gewahrte er den Meſtizen, welcher mittlerweile aufgeſtanden war und, einen Schritt vor⸗ tretend, ſich ehrerbietig vor ihm verbeugte. Er flüſterte ihm