Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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eckigen Klinge geſtochenen Wunden ſtrömte nicht aus, ſondern warf ſich auf die inneren Theile.

In dieſem Augenblick ging der Schlüſſel zweimal im Schloß herum, die Thür öffnete ſich, und Rodin erſchien auf der Schwelle. Den Kopf vorſtreckend fragte er in einem Ton, als fürchte er zu ſtören: „Kann man eintreten?“

Bei dieſem ſchauderhaften Hohn machte Aigrigny eine Bewegung, um auf Rodin loszuſtürzen. Aber ermattend ſank er mit einem dumpfen Seufzer auf die eine Hand zu⸗ rück und mit einem ſchrecklichen Blick auf Rodin murmelte er: „Höllenungeheuer! Du biſt ſchuld an meinem Tod!“

„Sehn Sie, lieber Pater,“ verſetzte Rodin mit ſcheußlichem Lächeln, „ich habe Ihnen immer geſagt, Ihr alter Sauer- teig vom Kriegsleben her würde Ihnen ſchlimme Sachen machen. Erſt vor wenigen Tagen hab' ich Sie gewarnt und Sie ermahnt, ſich geduldig von dieſem Säbler ohrfeigen zu laſſen. Jetzt wird er nichts mehr ſäbeln, und das iſt gut. Denn erſtlich ſagt die Schrift: Wer das Schwert zieht, ſoll durchs Schwert umkommen, — und zweitens war der Mar⸗ ſchall Erbe ſeiner Töchter. Unter uns geſagt: was hätte ich da machen ſollen, lieber Pater? Ich mußte Sie dem ge⸗ meinen Beßten opfern, um ſo mehr, da ich wußte, was Sie mir auf morgen aufgehoben hatten. Ich aber laſſe mich nicht überrumpeln.“

„Ehe ich ſterbe — — entlarve ich Dich!“ murmelte

Aigrigny.

„Oh! — nein! — Oh! nein!“ erwiderte Rodin mit pfif-

figer Miene. „Ich allein werde Sie Beichte hören, — beliebt.“ „Schrecklich“ jlüſterte der Marzuis mit halbgeſchloſſenen

Augen. habe Mitleid mit mir, — wenn es nicht

zu ſpät i Ach! mein letzter Augenblick naht — — Ich bin ein großer Sünder.“

„Und beſonders ein großer Simper,“ fügte Rodin achſel⸗ zuckend hinzu, indem er mit kalter Verachtung dem Todes⸗ kampf ſeines Mitſchuldigen zuſah. Als er merkte, daß die⸗ ſer nur noch einige Augenblicke zu leben hatte, lief er mit

der Miene des Entſetzens hinaus und rief in den Hof um Hülfe Patres und dienende Brüder eilten herbei, und mit