— 115 —
Uebung dem Muth zu Hülfe kommen konnte. er, „keine Metzelei mit Meſſerſtichen ½ „Dieſer elende Menſch iſt wirklich feig!“ ſagte der Mar⸗ ſchall. „Er hat nur den Muth des Fechtkünſtlers und des Gecken gehabt, dieſer Landesverräther. Marquis von altem
Schlag! ich habe Sie geohrfeigt, Marquis von altem Stamm! ich habe Ihnen einen Fußtritt gegeben. Sie ſind die Schande Ihres Hauſes, des alten und des neuen Adels. Ich ſehe jetzt, nicht Heuchelei oder Berechnung, wie ich erſt glaubte, hindert Sie am Fechten, ſondern die Angſt. Sie brauchen den Kriegslärm und den Anblick von Zeugen, um Muth zu bekommen.“
Bei dieſen Worten gerieth Aigrigny ſo in Wuth, vaß er ſeine Angſt vergaß und zähneknirſchend ſtammelte: „Herr, nehmen Sie ſich in acht!“
„Ich muß Dir ins Geſicht ſpeien, Blut in Deinen Adern zu Kopf zu mon fort.
„Das iſt zu viel!“ rief der Jeſuit und hob das Bruchſtück der Klinge auf.
„Es iſt nicht genug! Du Judas!“ entgegnete der Marſchall und ſpie ihm ins Geſicht. „Gebrauchſt Du jetzt nicht die Klinge, ſo ſchlage ich Dich mit einem Stuhl zu Boden.“
Bei dieſer größten aller Beleidigungen verlor Aigrigny die Beſinnung. Er vergaß ſeinen Vortheil, ſeine Entſchlüſſe, ſeine Angſt, und ſelbſt ſeinen ehemaligen Soeius, und fühlte nur
Rachſucht. In einem Augenblick hatte er ſein Schnupftuch n das Stück Klinge gewickelt und ſtürzte auf ſeinen Geg⸗ — los. Es begann ein Kampf, der etwa zwei Minuten dauerte. Beide ſtürzten zuſammen nieder. Aigrigny machte ſich aus den Armen des Marſchalls los, richte ſich ſo weit auf, daß er kniete, und ließ ſchwerfällig die Hände ſinken, während der Marſchall mit erſterbender Stimme murmelte: „Meine Kinder! — Dagobert!“
„Ich habe ihn getödtet,“ ſagte Aigrigny keuchend; „aber ich fühle — ich bin tödlich verwundet.“ Die eine Hand auf den Boden ſtützend, hielt er die andere an ſeine von Stichen durchbohrte Bruſt und fuhr fort: „O! ich ſterbe — ich erſticke“ Das Blut der von der drei⸗
3
„Nein!“ rief
um Dir das wenige treiben,“ fuhr Si⸗
.


