Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Blut? — Wo möglich das Ihrige!“ Und mit funkelnden Augen legte er ſich wie ein geſchickter Fechter aus.“

„Endlich!“ ſagte der Marſchall, und legte ſich gleich⸗ falls aus.

Aber in dieſem Augenblick kam abermals die Ueberlegung und löſchte die Zorngluth des Marquis aus. Er bedachte von neuem, daß dieſer Zweikampf alle Wünſche Rodins er⸗ füllen würde, deſſen Schickſal er in Händen hatte, den er noch bitterer als den Marſchall haßte und den er zu zer⸗ treten hoffte. Anſtatt alſo den Kampf zu beginnen, welcher ihm, dem kräftigen, geſunden Mann, den Sieg verſprach über den von Kummer geſchwächten Marſchall, ließ er den Degeu ſinken und ſagte: „Ich bin ein Diener des Herrn und darf kein Blut vergießen. — Herr! verzeihe mir nochmals meine Aufwallung, und verzeihe auch demjenigen unter meinen Brüdern, der mich zum Zorn gereizt hat.“ So ſprechend legte er die Klinge des Degens unter ſeinen Abſatz, riß den Griff aufwärts und brach die Klinge in der Mitte ab. Da⸗ mit machte er es ſich unmöglich, ſich durch eine neue Be⸗ leidigung zur Annahme des Zweikampfs fortreißen zu laſſen.

Der Marſchall war einen Augenblick ſtarr vor Ueber⸗ raſchung und Zorn, als er ſo den Zweikampf unmöglich ſah. Plötzlich aber machte er es dem Jeſuiten nach, und zerbrach ſeine Klinge in der Mitte. Das etwa 18 Zoll lange ab⸗ gebrochene Stück hob er auf, umwickelte das ſtumpfe Ende mit dem ſchwarzen Tuch und ſagte zu Aigrigny: „Alſo auf Dolche!“

Entſetzt über dieſe Kaltblütigkeit rief Aigrignh: „Das iſt ein Teufel!“

„Nein, das iſt ein Vater, dem man ſeine Kinder umge⸗ bracht hat!“ erwiderte Simon mit einer Thräne im Auge.

Aigrigny bemerkte dieſe Thräne, welche alsbald wieder dem Ausdruck wilden Zornes Platz machte. In dieſer Miſchung rachſüchtigen Haſſes und väterlichen Schmerzes lag etwas ſo ſchreckliches, daß der Marquis zum erſten Mal in ſeinem Leben gemeine Angſt um ſein Leben fühlte. Hatte er ſich vorher mit aller Anſtrengung ſeiner Willenskraft von dem Kampf auf Degen zurückhalten müſſen, ſo erbebte er jetzt vor dieſer Art von Kampf, bei welcher kein Geſchick, keine