Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Kopf umdrehte, um zu ſehen, wer käme, öffnete ſich die nächſte Thür und vor ihm ſtand der Marſchall Simon. Im Schatten hinter dem Marſchall gewahrte der Marquis das Leichengeſicht Rodins mit dem Ausdruck teufliſcher Freude. Die Thür ſchlug hinter dem Eintretenden zu und ward von außen verſchloſſen. Simon und Aigrigny waren allein.

Der Vater Roſas und Blaneas war faſt unkenntlich ge⸗ worden. Seine grauen Haare waren völlig gebleicht. Auf ſeinen blaſſen hageren Wangen ſproßte ein ſeit mehren Ta⸗ gen nicht geſchorner Bart. Seine hohlen, rothen, funkelnden, rollenden Augen hatten etwas geiſterhaftes. Er warf einen langen weiten Mantel ab, in den er gehüllt war, und ließ in einem ſchwarzen als Gürtel um ſeine Lenden geknüpften ſeidnen Tuch zwei blanke Stoßdegen ſehen.

Aigrigny, der beim Eintreten Simons feuerroth geworden und aufgeſprungen war, begriff, was dieſe Erſcheinung ſagen wollte. Er erinnerte ſich, wie Rodin ihn vor einigen Tagen hartnäckig gefragt hatte, was er thun würde, wenn der Marſchall ihm eine Ohrfeige gäbe. Er, der das Schickſal Rodins in der Hand zu haben geglaubt hatte, ſah jetzt, daß er von dieſem überliſtet und in eine Stellung ohne Ausgang geſchoben war. Nach Verſchließung der beiden vorderen Zim⸗ mer konnte Hülferufen zu nichts dienen, denn jenſeits der hohen Mauern des Gärtchens war unbewohntes Land. Sein erſter Gedanke war, daß Rodin durch ſeine Verbindungen mit Rom oder durch ſeinen Scharfblick inne geworden war, wie ſein Schickſal in den Händen Aigrignys lag, und ſich ſeiner zu entledigen ſuchte, indem er ihn der Rache des Vaters von Roſa und Blanca überlieferte.

Der Marſchall knüpfte ſchweigend das ſchwarze Tuch von ſeinen Lenden los, legte die beiden Degen auf einen Tiſch, verſchränkte die Arme auf der Bruſt und ging langſam auf Aigrigny zu.

So ſtar ſich die zwei Männer gegenüber, welche ſich in ihrem ganzen Kriegerleben mit unverſöhnlichem Haß einander

verfolgt hatten und, nachdem ſie in zwei feindlichen Lagern

einander bekämpft, ſchon einmal einen Zweikampf auf Tod

und Leben mit einander beſtanden hatten. Jetzt kam Simon,

um von ſeinem Gegner Rechenſchaft für den Tod ſeiner Kinder