Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Dſchalma antwortete nicht. Anfangs war ihm die Erſchei⸗ nung Adrianas wie eine Art von Traumgeſicht vorgekommen in Folge ſeiner durch das Gift geſtörten Geiſtesthätigkeit. Als aber die ſanfte Stimme des Fräuleins in ſein Ohr tönte, als ſein Herz erbebte von dem elektriſchen Schlag, den er immer fühlte, wenn ſein Blick dem ihrigen begegnete, als er in dies roſige friſche Antlitz voll ruhiger Würde trotz leb⸗ hafter Beſorgniß ſchaute, da glaubte er nicht länger zu träu⸗ men und war überzeugt, daß er ſeine Geliebte vor Augen hatte. Je mehr der Gedanke ihn durchdrang, daß Adriana nicht todt ſei, (wiewohl ihre Auferſtehung ihm unbegreiflich vorkam) deſto mehr verlor ſich ſeine Bläſſe. Seine durch das Weinen verdüſterten Augen wurden wieder ſtrahlend, und ſeine von Entſetzen verzerrten Züge nahmen den Ausdruck der Freude und des Entzückens an. — Er rutſchte auf den Knien vorwärts gegen Adriana und ſtreckte ſeine zitternden Hände nach ihr aus. Zu tief ergriffen, um ein Wort hervorbringen zu können, betrachtete er ſie voll Erſtaunen, voll Liebe und Dank — voll Dank, daß ſie lebte. Adriana fühlte ſich durch dieſen unerklärlichen Blick wie auf der Stelle feſtgebannt und bebend ahnte ſie ein ſchreckliches Geheimniß. Endlich ſchlug Dſchalma die Hände zuſammen und rief in einem unbeſchreib⸗ lichen Ton: „Du biſt nicht todt?“

„Todt?“ wiederholte Adriana erſtaunt.

„Du warſt es nicht! Nein! Nicht Dich habe ich ge⸗ tödtet! — — Gott iſt gut und gerecht!“ Und in ſeiner unſinnigen Freude vergaß er das Geſchöpf, welches er ge⸗ mordet hatte.

Adriana ſah mit ſteigendem Entſetzen nach dem Dolch und bemerkte, daß er blutig war. Damit fand ſie zu ihrem Schrecken Dſchalmas Worte beſtätigt. „Sie haben getödet, Dſchalma?“ fragte ſie. „Gott! das iſt zum Wahnſinnig⸗ werden!“

„Du lebſt — — ich ſehe Dich — — Du biſt da!“ ſtam⸗ melte der Jüngling wonnetrunken. „Du biſt da, ſchön und rein wie immer. — Dort, das warſt Du nicht. Nein, wenn

Du das geweſen wäreſt, hätte das Eiſen ſich eher gegen mich kehren müſſen, als Dich töden.“