Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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ſagte er. „Mein Tod ſoll ihre Rache ſein; — aber er kann ihr das Leben nicht wieder geben. Hier, in dieſem Himmel meiner Hoffnungen, will ich ſterben. Sie iſt todt — todt! Auch ich will bald todt ſein — nein, nicht bald. Ich will langſam ſterben. — Wer hätte das gedacht, als ſie mir geſtern zum Abſchied die Hand drückte?“

Dſchalma ſetzte das Fläſchchen an ſeine Lippen, trank einige Tropfen daraus und ſtellte es auf ein elfenbeinernes Tiſchchen neben dem Bett Adrianas. „Jetzt,“ ſagte er, „bin ich des Todes gewiß, und es bleibt mir noch Zeit, mich in dem Duft dieſes Gemaches zu berauſchen. Auf dem Lager, wo ihr Haupt geruht hat, ſoll mein ſterbendes Haupt ruhen.“ Er kniete vor dem Bett nieder und ſtützte ſeine Stirn auf den Rand desſelben.

In dieſem Augenblick ging die in das Badzimmer führende elfenbeinerne Thür auf, und Adriana trat ein, in einen langen Muslinmantel gehüllt, das Haar an den Schläfen in zwei Zöpfchen geflochten, welche ihrem Geſicht ein Anſehn lieb⸗ licher Jugendlichkeit gaben, die Haut leicht geröthet durch das laue Bad, welches ſie vor dem Schlafengehen zu nehmen pflegte. Wonne ſtrahlte aus ihren Augen und erhöhte ihre Schönheit. Alle Hinderniſſe in Betreff der Form ihrer Ver⸗ bindung mit Dſchalma waren gehoben. In zwei Tagen ſollten ſie vermählt ſein.

Sie hatte die Thür ſo geräuſchlos geöffnet, und die Tritte ihrer bloß mit leichten Satinpantoffeln bekleideten Füßchen waren auf dem Hermelinteppich ſo unvernehmlich daß Dſchalma erſt durch einen Schrei der Ueberraſchung und des Schreckens aus ſeinem Träumen aufgeweckt wurde. Er wandte ſich raſch um und ſah Adriana vor ſich. Dieſe zog ſchamhaft ihren Pudermantel über ihren entblößten Buſen und wich zurück, mehr betrübt als erzürnt. Sie glaubte, Dſchalma habe in einem Anfall toller Leidenſchaft ſich mit ſträflicher Hoffnung in ihr Schlafzimmer eingeſchlichen. Als ſie aber den Dolch auf dem Boden liegen und Dſchalma mit zurückgebogenem Leib und vorgeſtreckten Händen ſie anſtarren ſah, erſtarben die Worte des Tadels auf ihren Lippen. Entſetzt trat ſie auf ihn zu und fragte, auf den Handſchar deutend: „Freund, wie kom- men Sie hieher? Was iſt Ihnen? Wozu dieſer Dolch?“