ein Divan befand. In dies Zimmer kam eine von einem dunkeln Kapuzenmantel völlig verhüllte weibliche Geſtalt ge⸗ ſchlichen, trat an eins der Fenſter, ſchob einen Vorhang weg, ſah zwiſchen den Sommerläden auf die Straße hinaus, ging dann langſam ans Kamin und ſtützte den Ellenbogen auf das Geſims..
Beim erſten Anblick dieſer Geſtalt war Dſchalma zuſam⸗ mengefahren. Dem angenehmen Gefühl, welches er zuvor gehabt hatte, folgte eine fieberhafte Aufregung wie bei zu⸗ nehmender Trunkenheit, und es ſummte in ſeinen Ohren, wie wenn er auf den Grund eines großen Gewäſſers getaucht wäre. Er vergaß völlig Faringhea und die Umſtände, welche ihn an dieſen Ort gebracht hatten und verſenkte ſich ganz in den Anblick, welchen er wie ein Traumbild vor Augen hatte.
Die verhüllte Geſtalt trat von dem Kamin vor den Spiegel und ließ den Mantel fallen. Dſchalma ſtand wie vom Blitz gerührt da. Er hatte die leibhaftige Geſtalt Adrianäs von Cardoville vor Augen, ganz ſo, wie er ſie Tags zuvor geſehen hatte, — gekleidet, wie an dem Tag ihrer Unterredung mit der Fürſtin von St. Dizier, in ein blaßgrünes Gewand mit roſen⸗ rothen von weißen Schmelzperlen eingefaßten Schlitzen, die goldfarbige Haarflechte an ihrem Hinterhaupt mit einem Netz von weißen Schmelzperlen bedeckt.
Dicke Schweißtropfen rannen über Dſchalmas Geſicht. Keuchend heftete er ſeinen glühenden Blick auf die Geſtalt des
Mädchens, welches ihm fortwährend den Rücken zukehrte. Sie
brachte ihr Haar mit anmuthiger Selbſtgefälligkeit in Ord⸗ nung, nahm das Perlennetz ab, legte es aufs Kamin, machte dann eine Bewegung, wie um ihr Kleid aufzuhaken, und trat ſeitwärts, ſo daß Dſchalma ſie nicht mehr ſehen konnte.
Eine Stimme, die aus der Wand zu kommen ſchien, ſprach: „Sie erwartet Agricola Baudvin, ihren Geliebten.“
Dieſe Worte drangen wie ein Feuerſtrahl dem jungen Manne durch Mark und Bein. Er ſtieß ein dumpfes Ge⸗ brüll aus, welches durch die dicke Spiegelſcheibe nicht in das andere Zimmer dringen konnte, und riß an den Gitterſtäben, ohne ſie ausbrechen zu können. Das Licht in dem Nebenge⸗
mach ward ſchwächer. In dem Halbdunkel ſah Dſchalma die


