Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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rief er; „wo bin ich? Wo biſt Du? So lieb Dir Dein Leben iſt, öffne mir! Ich will augenblicklich weggehen!“ Und mit vorgeſtreckten Händen machte er einige raſche Schritte und gelangte an eine mit einem Gewebe tapezirte Wand. Er ging taſtend längs derſelben hin in der Hoff⸗ nung einen Ausgang zu finden. Er fand eine Thür; aber ſie war verſchloſſen. Vergebens rüttelte er an dem Schloß. Er ſuchte weiter und kam an ein Kamin, dann an eine zweite verſchloſſene Thür, und nachdem er rund herum ge⸗ gangen war, blieb er endlich wieder an dem Kamin ſtehen. Mit einer vor Zorn zitternden Stimme rief er abermals nach Faringhea, erhielt aber keine Antwort.

In dem Dunkel und der Stille drang ein überaus lieb⸗ licher Duft in das Zimmer. Es war der Duft von Wam⸗ bay, dem Harz von einem auf dem Himalaya wachſenden Strauch, deſſen aufheiternde Wirkung, viel ſtärker als die des

Opium und des Haſchiſch, der Alte vom Berge benutzt haben

ſoll, um die Werkzeuge ſeiner Rache in den Zuſtand des Traumwachens zu verſetzen. Dſchalma, ganz mit dem Ge⸗

danken an ſeine ſchreckliche Lage beſchäftigt, achtete nicht auf

jenen Geruch. Bald aber verſpürte er die Wirkung. Die Adern ſeiner Schläfe klopften heftig. Sein Blut ward heiß. Er empfand ein unbeſchreibliches Wohlgefühl. Sein Zorn ſchien allmählig wider ſeinen Willen in einer angenehmen Erſtarrung zu erlöſchen. Er nahm alle Kraft ſeines Willens zuſammen, um nochmals ſein Heil an einer Thür zu ver⸗ ſuchen. Er erreichte die nächſte Thür. Hier aber war die Wirkung des Duftes ſo ſtark, daß Dſchalma ſich kraftlos zu jeder weiteren Bewegung fühlte und ſich an das Getäfel lehnte, wo er in einen traumähnlichen Zuſtand verſank.

In dieſem Zuſtand kam es ihm vor, als ob die Finſterniß, in welcher er ſich befand, ſich ein wenig aufhellte. Er ſah ſich um und gewahrte ein rundes Fenſter, durch welches das Licht hereindrang. Er trat an dies Fenſter, welches er mit dünnen Eiſenſtäben vergittert fand und ſah durch eine Spiegel⸗ ſcheibe hinter dem Gitter in ein ſchwach erhelltes reich möblirtes Zimmer, worin ſich zwiſchen zwei Fenſtern mit karmeſinrothen Vorhängen ein großer Spiegel, an der einen Seite ein Kamin mit glühenden Kohlen und auf der andern