Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

einige Worte mit dem Thürſteher und erhielt von ihm einen Schlüſſel. Beide gingen die Treppe hinauf und langten vor einer der drei Thüren der Wohnung der St. Colombe an, von denen zwei auf dieſe Treppe führten und die dritte einen geheimen Ausgang nach dem Hof zu bildete. In dem Au⸗ genblick, wo Faringhea den Schlüſſel in die Thür ſteckte, ſagte er mit dumpfer Stimme: „Gnädiger Herr, haben Sie Erbarmen mit meiner Feigheit. In dieſem ſchrecklichen Au⸗ genblick ſchwanke ich. Vielleicht iſt es beſſer, ich bleibe bei meinen Zweifeln oder ich vergeſſe ſie. — — Doch nein Keine Feigheit!“ Und er ſchloß auf und trat ein. Nach⸗ dem Dſchalma ebenfalls eingetreten war, ſchloß er die Thür wieder zu.

Beide befanden ſich auf einem ſchmalen Gang in völliger Finſterniß. Der Meſtize flüſterte: „Ihre Hand, gnädiger Herr. Laſſen Sie ſich führen und treten Sie leiſe auf.“

Dſchalma ergriff die dargebotene Hand und ließ ſich im Dunkeln durch mehre Thüren führen. Plötzlich blieb Fa⸗ ringhea ſtehen, ließ die Hand des Prinzen los und flüſterte: „Der entſcheidende Augenblick naht. Laſſen Sie uns hier ein wenig warten.“

In der völligen Finſterniß konnte Dſchalma nicht das Ge⸗ ringſte erkennen. Rach einer Minute hörte er, wie der Me⸗ ſtize von ihm wegſchlich, wie eine Thür plötzlich aufging und wieder zugeſchloſſen wurde. Dies plötzliche Verſchwinden be⸗ unruhigte den Königsſohn einigermaßen. Ohne etwas dabei zu denken, griff er nach dem Handſchar und tappte einige Schritt nach der Stelle zu, wo er einen Ausgang ver⸗ muthete. Plötzlich vernahm er die Stimme des Meſtizen: „Gnädiger Herr, Sie haben mir geſagt: Sei mein Freund.— Ich handle als Freund! Ich habe Liſt angewandt, um Sie hieher zu führen. Die Verblendung Ihrer verderblichen Leidenſchaft würde Sie verhindert haben, auf mich zu hören. Die Fürſtin von St. Dizier hat Ihnen Agricola Baudvin

genannt, den Geliebten der Adriana von Cardoville. Hören Sie, ſehen Sie, urtheilen Sie

Die Stimme ſchien aus einer der Ecken des Zimmers zu kommen. Dſchalma, zu ſpät erkennend, in welche Falle er gegangen war, erbebte vor Wuth und Entſetzen. „Faringhea!“