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Rodin ſei ein gefährlicher Menſch, von dem ſie ſich habe täuſchen laſſen; Simon aber hatte es dem Dagobert nicht wieder geſagt. Indeß, der alte Soldat fühlte trotz dem Schein, der für den Jeſuisen ſprach, einen unüberwindlichen Wider⸗ wille gegen ihn und barſch erwiderte er: „Ob ich eine hat Fauſt habe oder nicht, iſt einerlei. Aber — —“ „Lieber Herr,“ unterbrach Rodin in ſüßlichem Ton, „wenn ich dieſes Umſtandes erwähne, ſo geſchieht es, weil ich mich unwillkürlich der kleinen Dienſte erinnere, die ich das Glück hatte, Ihnen zu leiſten.“ Und bei dieſen Worten er mit der ihm eignen Schlangenwindung auf die Schweſtern zu.
Dagobert faßte den Jeſuiten ſcharf in's Auge, der vor
dieſem Blick ſogleich ſeine ſchlaffen Augenlieder herabſenkte. Nach einem Augenblick des Schweigens ſagte der Soldat: „Ein braver Mann ſpricht nie von ſeinen geleiſteten Dien⸗ ſten, und Sie thun es drei Mal in einem Athem.“
„Ei, Dagobert,“ flüſterte Roſa dem Soldaten zu, „er hat ja Nachrichten von unſerm Vater.“
Dagobert gab dem Mädchen einen Wink, daß ſie ihn ſprechen ließe und fuhr mit argwöhniſchem Blick gegen Rodin fort: „Sie ſind ein Schlaukopf, und ich bin kein Rekrut.“
„Ich, ein Schlaukopf?“ entgegnete Rodin mit ſcheinheiliger Miene.
„Ein gewaltiger Schlaukopf. Sie meinen, Sie könnten mich mit ſolchen Redensarten fangen, aber es thuts nicht. Hören Sie an. Einer von Ihrer Schwarzkittelbande hatte mir mein Kreuz geſtohlen. Sie haben mir es wieder geſchafft. Einer von Ihrer Bande hatte dieſe Kinder entführt, und Sie haben ſie wie⸗ der herbeigeſchafft. Sie haben auch den abtrünnigen Aigrigny angegeben. Das Alles beweiſt nur zweierlei: erſtlich, daß Sie ſchlecht genug geweſen ſind bei dieſen Schuftenſtreichen be⸗ theiligt zu ſein, — und zweitens, daß Sie ſchlecht genug geweſen ſind, Ihre Spießgeſellen anzugeben. Beides iſt nie⸗ derträchtig. Ich traue Ihnen nicht; trollen Sie ſich. Anblick taugt nicht für dieſe Kinder.“
„Aber lieber Herr — —“
„Kein Aber! Wenn ein Menſch von Ihrem Schlag eures gutes thut, ſo ſteckt etwas ſchlimmes darhinter. 1 nicht trauen — und ich traue nicht.“


