„Herr Freudenſtörer,“ ließ ſich Roſas Stimme vernehmen, „Sie ſind ſehr früh auf.“
Sie uns ſagen, wie viel Uhr es iſt?“ fragte Blanca.
„Es iſt acht Uhr durch,“ rief Dagobert, laut flaend⸗
Ein leiſer Schrei der Ueberraſchung folgte. Dann ſagte Roſa: „Guten Morgen, Dagobert!“
„Guten Morgen, liebe Kinder. Sie ſind heut ſehr träg, nichts für ungut.“
„Das iſt nicht unſere Schuld,“ erwiderte Roſa. „Wir warten auf Anguſtine.“
„Da haben wirs!“ flüſterte Dagobert mit beſorgter Miene. Und in verlegenem Ton (denn das Lügen fiel ihm ſchwer) ſagte er laut: „Kinder, Ihre Gouvernante iſt heute — — früh ausgegangen — — aufs Land — — wegen Geſchäften. Sie wird erſt in einigen Tagen wiederkommen. Sie werden alſo wohl thun, wenn Sie heut allein aufſtehen.“
„Die gute Frau!“ ſagte Blancg. „Es iſt doch nichts Schlimmes, Dagobert, was ihren plötzlichen Weggang veran⸗ laßt hat?“
„Nein — — nein. Wegen Geſchäften — — um eine Verwandte zu beſuchen.“
„Gut,“ ſagte Roſa. „Wenn wir rufen, kannſt Du herein⸗ kommen.“
„In einer Viertelſtunde komm' ich wieder,“ entgegnete Dagobert. Und indem er wegging, ſagte er für ſich: „Ich muß den eſelhaften Hampel ins Gebet nehmen. Er iſt ſo dumm und plauderhaft, daß er Alles ausſchwatzen könnte.“
Hampels unzählige Tölpeleien waren es, die das tolle Lachen der Mädchen verurſacht hatten. Sie waren aufge⸗ ſtanden und bedienten ſich wechſelſeitig beim Ankleiden. Roſa ſaß vor einem Putztiſch und ihre Schweſter kämmte ihr das Haar aus. In dem glücklichen Jugendalter, noch nahe der Kindheit, iſt jeder Kummer ſchnell vergeſſen. Die beiden Schweſtern waren ſelig, ſeitdem ſie wußten, ihr Vater liebte ſie zärtlich, und ihre Gegenwart ſei nicht peinlich, ſondern beglückend für ihn. Ein ſolches Bewußtſein konnte durch eine kurze Trennung nicht geſtört werden. Ihre Wangen waren wieder blühend geworden, ihr Glaube an die Zukunft


